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 Kanada, Whitehorse - Einreise USA, Montana, 16.07. - 31.07. 2006

Weltreiseberichte Okt. 2005 - Dez. 06
km 24081 - 27678

Alaska Highway - legendäre Straße, Schilderwald und wilde Tiere

In nur 240 Tagen wurde die namenhafte Straße von einigen tausend Soldaten im 2. Weltkrieg durch den Busch geschlagen. Wir folgen ihr von Whitehorse im Norden bis Prince George.

Beim Aufbauen unseres Zeltes auf dem mückenverseuchten C'platz in Watson Lake macht's krach - die Außenhaut unseres Hauses reißt gleich zweimal tief ein. Wie Papier zerfetzt die Zeltplane - oje!
Alex flickt mit Tape und Therm-a-rest Flicken so gut es geht. Jetzt haben wir ein Pippi Langstrumpf Haus...


Ein undurchsichtiger Schilderwald steht vor der Touristinfo in Watson Lake. Ein jeder der einmal hier war und irgendein Schild zur Hand hatte, hat sich hier verewigt. Wir sehen Ortsschilder aus Deutschland, DDR Autoschilder, Kennzeichen aus aller Welt - es sieht toll aus!
Ein Besuch lohnt sich und irgendwo in dem Dickicht aus Schildern aus aller Welt hängt jetzt auch unser Bild ;-D

Der Alaska Highway besticht durch einige extrem lange Geraden, die uns ein wenig an Sibirien erinnern. Meist fahren wir jedoch in wunderschöner Landschaft. Besonders ab Coal River, wo wir ein britische Paar mit einer BMW GS1150 treffen. Die beiden haben sich erst vor einigen Wochen auf den Weg zu einer dreijährigen Weltreise gemacht, sind sehr symphatisch und wir unterhalten uns noch eine Weile ehe wir die herrlichen Berge der nördlichen Anfänge der canadischen Rockys genießen.


Entlang unseres Weges sehen wir immer wieder Wildtiere. Eine Bärenmama und ihre beiden Jungen passieren die Straße, Rehe schauen aus dem Wald, Ziegen und Moose laden zum Fotostopp.
Eine kleine Büffelherde steht seelenruhig am Straßenrand und graßt. Sie sehen aus wie eine Mischung aus Bison und Büffel, die um sie herum laufenden und fotografierenden Menschen jucken sie herzlich wenig.
Steinböcke und Bergziegen treiben sich auf den Geröllhängen und auf der Straße herum, ein Hirsch stillt in einem kleinen See seinen Durst.
In Canada beginnt die Wildniss tatsächlich meist direkt neben dem Highway.

Heisse Quellen und wieder blutrünstige Mücken
Dampfend und Blasen werfend liegt der kleine Teich da, das Wasser fast türkis. Und so schön warm - eine Badewanne im Wald! :-D
Wir sind an den heissen Quellen der Liard Hotsprings und teilen uns den Platz mit jeder Menge Mücken.
Nach einem kurzen Fußmarsch durch Sumpfgebiet kommen wir an den sog. Beta Pool. Hier ist das Wasser heisser als im, weiter oben gelegenen Alpha Pool. Also stapfen wir weiter und kommen bald an den menschenleeren, kleinen Teich.
Wir genießen das heisse Bad bis es uns dann doch zu warm wird. Der Schwefelgeruch ist erträglich, wir hatten es uns schlimmer vorgestellt.
Bald darauf sitzen wir wieder sauber und mampfend im mückenfreien Zelt - Therme macht Hunger :-D


Wild ragen die Berge der nördlichen Ausläufer der canadischen Rockys um uns herum in die Höhe, tiefe Täler und ungewohnte Felsformationen begeistern uns nach jeder Kurve auf's neue.
Bereits kurz nach Liard River empfängt uns eine atemberaubende Berglandschaft. Wir könnten mal wieder alle paar Kilometer anhalten und Bilder machen.
Besonders schön ist der türkisfarbende Muncho Lake.
Weiter geht's durch die malerische Berglandschaft zum Summit Pass. 1290 m hoch gelegen bietet die Straße erneut fantastische Ausblicke auf die Berge.

Im recht reizlosen Fort Nelson können wir dann endlich unseren ersten Internetbericht von Canada hochladen. Vor lauter Motorradfahren haben wir einfach nicht genügend Zeit zum Schreiben... ;-D

Erneut erwarten uns Scharen von Blutsaugern - wir sind auf einem kleinen Campground südlich von Fort Nelson. Eigentlichtten dachten wir mit der Durchquerung des westsibirischen Tieflandes die schlimmsten Mückenplagen überstanden zu haben, aber die canadischen Plagegeister stehen ihren russischen Artgenossen in nichts nach!

Faszination Berglandschaft - die canadischen Rocky Mountains
Keine Mücken! Nachdem wir den Alaska Highway kurz vor Fort St. John verlassen haben und den kleinen aber landschaftlich reizvollen John Hart Highway 99, bis kurz hinter Chedwyn gefahren sind, haben wir auch die kleinen Blutsauger verlassen.
Wir genießen die erste mückenfreie Zeit auf dem günstigen Wildmare RV Park (10,- incl. Feuerholz, Dusche 2,- unbegrenzt). Der junge Platzwart leistet uns noch ein wenig Gesellschaft bevor wir genüßlich Duschen und in aller Ruhe draußen kochen und essen.
Wie viel schöner ist doch die Welt ohne Mücken!

Noch eine Nacht am Purden Lake, dann sind wir plötzlich mittendrin in einer einzigartigen Berglandschaft. Rechts von uns die zackigen Cariboo Mountains, links begleiten uns die Rockys mit ihren schneebeedeckten Gipfeln und besonderen Formationen.


Majestetisch erscheint der Mt. Robson nach einer Kurve plötzlich vor uns. 3954 Meter, der höchste Berg der canad. Rockies. Schneebedeckter Gipfel, schroffe Steilwände und ein Massiv das seinesgleichen sucht.
Ihm gegenüber sein D?pendant der Cariboo Mountains, der Mt. Terry Fox mit über 2400 Meter ebenfalls eine Schönheit.
Mit der Namensgebung des Mt. Terry Fox ist eine rührende Geschichte verbunden:
Terry Fox war 18 Jahre alt als ihm sein rechtes Bein wegen Knochenkrebs amputiert werden musste. Vom Leiden seiner Mitpatienten während des Trainings mit dem künstlichen Bein beeindruckt, beschloss er einen Spendenmarathon von Küste zu Küste zu machen. So lief er mit seiner Prothese ca. 42 km am Tag von West- nach Ostcanada und sammelte von jedem Canadier den er traf 1,- CND. 24 Mio. CND kamen so während seines 143 Tage dauernden Marathons zusammen.
Auf dem Rückweg musste er allerdings wegen Lungenmetasthasen aufgeben. Terry starb mit 23 Jahren und wurde zum Nationalheld und Namensgeber dieses Berges.

Kurz vor Jasper dämpft ein kleiner Preisschock die Begeisterung ein wenig. 17,90 CND Eintritt pro Tag werden für den Jasper Nationalpark verlangt!
123,- CND kostet der Familien-Jahrespass, der zum Eintritt in alle Nationalparks Canadas berechtigt. Da wir nun endlich mal wieder etwas langsamer machen wollen und noch ein paar weitere Nationalparks auf unserer Route liegen entscheiden wir uns für diese Variante.

Jasper scheint das Davos der Rockys zu sein - Touristen aus aller Welt füllen die Straßen, die Preise sind ordentlich (und das obwohl wir BC bereits verlassen haben!) und die Menschen wirken alle etwas genervt. Nur noch rasch Geld- und Benzinvorräte auffüllen, dann fahren wir raus aus dem vollgestopften Touristenstädtchen.

Wir finden ein ruhiges Plätzchen am Athabasca River wo wir uns erst einmal ein paar Tage ausruhen, bevor wir den Icefields Highway 93 weiter Richtung Süden folgen.
Carsten zerlegt und reinigt den Vergaser der Dicken, die, aus welchem Grund auch immer, nicht mehr so schön laufen will, Alex schreibt einen weiteren Presseartikel für die Badische Zeitung und wir tanken neue Kraft für die Weiterfahrt in einer wunderschönen Bergwelt.

Vorbei an Gletschern - der Icefield Highway

1931 schickte die canadische Regierung einige hundert Männer mit Pfeden, ein paar kleinen Traktoren, Hacken und Schaufeln in das Herz der Rocky Mountains. Für 20 Cents am Tag bauten sie A.O. Wheelers "wonder trail" zum "Banff - Jasper Highway" aus.
1940 eröffnet, wurde die Straße zwischen 1950 und 1960 asphaltiert und zum "Icefields Parkway", Hw. 93.

Wir sind von 3000ern umgeben, einer schöner als der andere. Gewaltige Schneefelder auf den Gipfeln, Gletscher schlängeln sich ins Tal, nähren wild sprudelnde Gebirgsflüsse mit eisigem Wasser.
Einige der steinernen Riesen sehen aus wie bizarre Skulpturen, andere erinnern mit ihren kegelförmigen Geröllfeldern und den senkrecht daraus aufragenden, oft rötlich schimmernden, zylindrischen Gipfeln an Westernfilme. Wir würden uns nicht wundern, wenn dort oben plötzlich ein Indianer nach Bleichgesichtern Ausschau halten würde.

Doch diese Zeiten sind längst vorbei. Heute quälen sich Kolonnnen von Touristen die, teilweise über 2000 Meter hohen Pässe hinauf. Geballt auf der einzigen Straße durch das Herz der canad. Rockys ist der Verkehr sehr gewöhnungsbedürftig.
Mit monströsen Trucks werden zahlungswillige Touristen auf das jahrtausende alte Eis des Columbia Icefields gekarrt, Wohnmobile und PKWs verstopfen den Parkplatz am größten Gletscher der Rockys.

Wir versuchen die Blechkisten so gut es geht zu ignorieren und blubbern gemächlich durch die atemberaubende Szenerie aus Stein und Eis.
Das wir für 170 km mehr als fünf Stunden brauchen, spricht für sich. Wir kommen aus dem Staunen und Fotografieren nicht heraus. Zu beeindruckend die Berge, zu einzigartig die Seen, um hier einfach nur durch zu fahren.

Eine Wanderung in die Berge

Darum laufen wir auch ein Stück - den Trail zum Helen Lake. Doch wir kamen nie an...
Nein, keine Angst, es ist nichts passiert! Wir waren nur nicht sicher ob wir auuf dem richtigen Weg sind und unsere unkonditionierten Wandermuskeln zeigten Anzeichen von Erschöpfung. ;-D
Auf knappp 2000 müM beginnt der Trail, 500 Höhenmeter und 6 km steiler Waldweg sind zu meistern. Wir merken die dünner werdende Luft!
Nach einer Weile und einigen fantastischen Ausblicken auf den Bow-Gletscher und die umliegenden 3000er erreichen wir die Baumgrenze. Geröllfelder und alpine Blütenpracht umgeben uns. Der Ausblick ist wieder einmal beeindruckend.
Dennoch machen wir uns nach knapp zweieinhalb Stunden wieder an den Abstieg. Wie wir später auf der Karte sehen waren wir gar nicht weit weg vom See, aber die kleine Bergtour war dennoch wunderschön!

Entgangenes Bier und Flucht vor den Touristen
Eigentlich waren wir in Revelstoke am gleichnamigen Berg auf ein Bier eingeladen. "Cameron", den wir im Forum von 'horizonsunlimited.com' "getroffen" haben ist aber leider nicht zu Hause und so bleiben wir nur eine Nacht auf einem Campingplatz am Williamson Lake.

Selten ein "Fivth Wheel" (enorme Wohnauflieger auf einem bullligen Pick-Up), kaum Touristen, leere Straße und die Rockys immer neben uns. Wir sind den Touristenscharen der Nationalparks entkommen und genießen die "Einsamkeit" auf dem Hw.95 South.
Die 'Dicke' läuft auch wieder butterweich - es lag am Luftfilter. Der hat seit Vladivostok soviel Staub schlucken müssen, das der XL einfach die Luft ausblieb.

Noch wenige Tage dann werden wir in das letzte fremde Land unserer Reise einreisen, die USA kommen immer näher.

Fernie liegt am Hw.3, direkt am Skigebiet des gleichnamigen Berges. Die Häuser im Wild-West Stil, die Menschen haben alle ein Lächeln auf den Lippen, die Landschaft des Tales ist herrlich. Wir fühlen uns auf Anhieb mehr als wohl, Alex möchte hier gerne alt werden ;-D
Doch vorerst fahren wir weiter und überqueren die Rocky Mountains auf dem 1396 Meter hohen Crowsnest Pass.
Ein riesiges Geröllfeld durch das der Highway führt kündet von der großen Katastrophe die das Abbrechen des Berges hier vor langer Zeit einmal ausgelöst hat.

Schlagartig ändert sich die Landschaft - die Berge kahl und steinig, Steppe statt Wald. Schatten gibt es nur wo Häuser stehen, die Ortschaften liegen wie kleine Seen in der leeren Landschaft.
Nach dem Crowsnest Pass geht es kaum bergab, wir wechseln aus den Hw.6 South und fahren Richtung USA.

Unsere letzte Nacht in Canada verbringen wir auf einem Campground im Waterton National Park. Dort haben wir auch wieder ein wenig Wald um uns und den Mt. Chief auf US-amerikanischer Seite vor uns. Wenige Kilometer trennen uns von den Staaten.

Ameeriikaa, Ameeriikaa...

Carsten ist ein wenig angespannt - er hätte die Grenze am liebsten schon hinter sich. Wer weiss was denen wieder alles einfällt...
Außer das wir unsere Pepperoni-Würste aufessen müssen - NICHTS! Es ist nicht zu fassen, aber es wird der schnellste und unproblematischte Grenzübergang seit wir Europa verlassen haben!
Fingerabdrücke, Fotos, ein paar Fragen ankreuzen ("Haben sie vor terroristische Aktivitäten in den Vereinigten Staaten auszüben?") und beantworten. Der nette Officer begnügt sich mit unseren Antworten, will nicht mal das Rückflugticket sehen!
Wir werden sehr nett behandelt, der Immigration Officer vergisst sogar fast die 6,- USD p.P. einzusammeln und kommt nochmal raus, als wir gerade die Würste verdrücken. Fleisch zu importieren ist nämlich nicht erlaubt.
Nach knapp 15 Min. ist alles erledigt, wir haben die Stempel für 3 Monate und bekommen einen schönen Aufenthalt in den Staaten gewünscht.
Bei der Ausreise aus Canada hat sich niemand für uns interessiert, kein Stempel, keine Fragen, nichts!

Die nächsten zwei Monate werden wir uns nun das Land der unbegrenzten Möglichkeiten ein wenig näher ansehen.
Was wir hier so alles erleben könnt ihr, wie gewohnt, auf diesem Bildschirm nachlesen.

Viele Grüße aus Helena, Montana, USA,

Alex & Carsten




 
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