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 USA 01, Montana - Las Vegas, 31.07.06 -02.09.06, km 27678 - 33899

Weltreiseberichte Okt. 2005 - Dez. 06
Währung: US Dollar, USD
1 Euro - 1,278 USD
1 USD - 0,78 EURO
Benzin: 85 (regular) - 91 (premium) Oktan
2,90 - 3,50 USD pro Gallon
   problemlos an fast jeder Tankstelle zu haben
Einheiten: 1 Gallon - 3,79 Liter
    1 Meile - 1,6 Kilometer
    1 feet - 30,4 cm

Nach der herrlich unklompizierten Einreise steuern wir über einen kleinen Umweg unsere erste Adresse in den Staaten an.

Shoot, Shovel, Shut up!
Montana ist anders, Montana ist noch immer ein wenig Wild West.
Wir lernen diesen Staat im Nordwesten der USA während unseres Aufenthaltes bei Bill und Julie in der Hauptstadt Helena näher kennen. Deren Adresse haben wir von Tommy und Rosa bekommen, sie wurden von Bill über die Webseite horizonsunlimited.com eingeladen.
Bereits bei der Ankunft hören wir von Bill den "Leitspruch" von Montana - Shoot, Shovel, Shut up!


Julie ist wie wir Krankenschwester und erzählt uns von einem Landarzt der immer mit seinem Pferd zum Patienten und ins Hospital kommt.
Dazu eine Landschaft die an Abwechslung nicht zu überbieten ist. Leere Steppe mit vertrocknetem Gras, kahle Berge und eine knallige Hitze neben waldigen Schluchten mit wilden Flüssen und jede Menge Deer (eine Hirschart) und Vögeln. Innerhalb weniger Fahrtminuten kommen wir von einem Extrem ins andere.

Julie hat als eine der ganz wenigen weissen Frauen Zugang zu den Zeremonien und Ritualen der umliegenden Indianerstämme und wir lernen viel über deren Leben und Denken dazu.
Einiges von dem was wir hier erleben und sehen übersteigt unser Vorstellungsvermögen und das gewohnte logische Denken, erweitert unseren Horizont jedoch um ein paar neue Gedanken.
Die beiden sind sehr nett und aus den eigentlich geplanten zwei Tagen Aufenthalt werden schnell sechs.

Auch in USA gibt es die russischen Ural-Gespanne!
Wir staunen nicht schlecht als wir die knapp sechzig jährige Kean, die zur Zeit als Untermieterin bei Bill und Julie lebt, kennenlernen. Sie lebt eigentlich an der Ostküste und fährt dort eines der uns so vertrauten Dreiräder, gekauft bei einem Importeur in den USA. Die russischen BMW Nachbauten werden dort dem amerikanischenn Standard ein wenig angepasst und an Liebhaber und Exoten verkauft.

"That's Montana!"

Die Dicke hat neue Reifen (sogar die deutschen mefo Explorer!), Kette, Ritzel und Luftfilter, beide Motorräder sind mit frischem Öl versorgt und somit bereit für die Weiterfahrt.
So machen wir uns am 06. August auf den Weg Richtung Yellowstone - und sind bereits vier Stunden später wieder in der Prairie Road in Helena.
Nach nur vierzig Kilometern wird die Dicke plötzlich massiv abgebremst, Rauch quillt aus der hinteren Bremstrommel.
Warum auch immer, aber die Trommel und die Platte, welche die Backen hält sind aufgerauht und durch die Reibungshitze stellenweise verschweisst. Eine Weiterfahrt erst einmal unmöglich. Kaum stehen wir am Straßenrand halten ständig Leute an und fragen ob sie helfen können. Doch wir müssen erst einmal nachsehen wo das Problem der Dicken liegt.
Noch während wir über dem ausgebauten Hinterrad brüten organisiert sich plötzlich Hilfe - Julie fragt lachend, ob sie helfen kann. Sie ist mit ein paar Freunden im Auto unterwegs und hat bereits heute morgen gewusst, dass wir wieder kommen werden. Etwas verdutzt nehmen wir ihr Angebot zurückzukommen an - nur wie, wir brauchen einen Truck der die Dicke auflädt.
Kaum gesagt kommt ein weisser Pick-Up, Butch, der nette Fahrer, erklärt sich prompt bereit zu helfen und so finden wir uns bald darauf im Garten von Bill und Julie wieder.
Wir sind begeistert von der unglaublichen Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit der Menschen und lassen dies Butch und Julie auch wissen. Ihre lachende Antwort: "That's Montana!"...

brodelnde Erde - Yellowstone

25,- USD kostet der Eintritt für ein Fahrzeug Wir geben an verheiratet zu sein und nehmen den Jahrespass für 50,-. Damit haben wir Zugang zu allen National Parks der Staaten, ein Jahr lang - komische Relationen, aber uns solls Recht sein :-D

Jede Menge kahle Baumgerippe zeugen vom letzten Großbrand, dazwischen sprießen jedoch bereits wieder viele neue Bäumchen. An einigen Stellen dampft die Erde - es riecht nach Schwefel. Beeindruckend wenn man bedenkt, das die alles Verbindungen zum Erdinnern sind und wir in einem riesigen, uralten Vulkankrater unterwegs sind.

Die Straße windet sich angenehm durch diese Szenerie - aber so richtiger Fahrspaß kommt nicht auf. Zuviele Wohnmobile und nicht grüßende Harleyfahrer drängeln sich über die Straße.
Wir haben wohl die ungünstigste Jahreszeit erwischt - Sommer und Ferienzeit.

Am bekanntesten der vielen Geysire, dem Old Faithful steppt der Bär! Besucherzentrum, Einkaufsland, Souvenirshop und irgendwo dahinter der Geysir.
Wir setzten uns auf eine der vielen Bänke, machen Vesper und warten ein Weilchen auf die Eruption.
Dann endlich zeigt sich Old Faithful in seiner ganzen Schönheit.
Erst langsam dann schießt die schäumende und kochende Fontäne in den Himmel. Es sieht toll aus!
Bereits nach knapp 1 1/2 Minuten ist der Spaß vorbei.
Der benachbarte Castle Geysir ist noch imposanter und größer! Nach einigen Minuten bricht auch er rumorend und dampfend aus - faszinierend!

Nach dem Spektakel der beiden großen Geysire machen wir uns wieder auf den Weg, halten bei den Upper Geysir Bassin und staunen dort über das brodelnden, glasklare Wasser in den verschiedenen Löchern und kleinen Seen. Man hat den Eindruck direkt ins Erdinnere sehen zu können, manchmal mischt sich beissender Schwefelgestank dazu.

Aus mehreren Löchern dampft der Berg der Roaring Mountains, ihm zu Füßen eine weiße, abgestorbene Fläche. Auch hier treten wieder Schwefelsäure und Dampf aus.

Die Nacht war eisig - als wir aufwachen ist auf Tisch und Motorrädern eine dicke Rauhreifschicht! Doch die wärmende Sonne kommt bald und bei angenehmenen Temperaturen verlassen wir den Park am South Entrance, wo wir in den Grand Teton NP wechseln.

Eine wunderschöne Bergkulisse begleitet uns.

Der 8.431 feet (2.773 m)  hohe Teton Pass lässt die Motos mit seinen 10% Steigung ordentlich schnaufen, aber sie schlagen sich tapfer und wir werden mit einem herrlichen Ausblick auf das weite Tal belohnt!

Eine Einladung nach Idaho
Wald sehen wir auf unserem weiteren Weg eigentlich so gut wie keinen, Kurven lassen sich an einer Hand abzählen.
Wir fahren durch goldgelbe Weizenfelder bis Idaho Falls,
danach begleiten uns Gras, Sonne und ewige Geraden. Dennoch hat die Landschaft etwas faszinierendes. Diese wüstenähnliche Weite, dazwischen einzelne Monolithen die in dieser Szenerie irgendwie verlassen wirken.

Wir bleiben auf dem Hw.20 und gelangen bald in den Craters of the Moon. Eine einmalige Lavalandschaft, es sieht aus, als ob sich vor langer Zeit ein riesiger Strom der glühenden Masse hier entlang gewälzt hätte. Nur den dazugehörigen Vulkan sehen wir nirgends...?

In Dease Lake, Canada, haben wir von Ron eine Einladung bekommen. Nun sind wir auf dem Weg zu ihm.
Mit Steaks und frischen Maiskolben werden wir nach unserem langen Wüstenritt von ihm herzlich empfangen, haben ein güldens Bett ;-D und den Fluss mit Pelikanen und Kolibris vor der Türe - ein kleines Paradies!

Weiter Richtung Westen
Die MuZ ist mit AVON Distanzia Reifen nun ebenfalls neu besohlt, wir hatten eine sehr schöne Zeit bei Ron und sind wieder auf dem Weg Richtung Westküste.

Ron begleitet uns noch ein paar Meilen mit seiner BMW GS1150 und führt uns durch eine schöne Landschaft vorbei an Wasserfällen und Canyons.
Melba bietet uns in einem Quick-Stop an einer Tankstelle  Kaffe (bis zum Abwinken, denn Refill ist incl. der 71 Cent pro Tasse und der Wirt ist fix!) und lecker Apfelkuchen - warm und mit Vanilleeis! Wir unterhalten uns noch ein Weilchen gemütlich, dann verabschieden wir uns herzlich von dem 72 Jahre jungen Biker der uns mit seinen weiteren Reiseplänen sehr beeindruckt hat.
 
Wir würden uns wirklich freuen ihn irgendwann noch einmal wiederzusehen.

Die Menschen in Oregon sind mindestens so freundlich wie in Montana und Idaho. Sie grüßen, fragen die üblichen Fragen und wünschen einen angenehmen Aufenthalt in Oregon. Einer kommt zu uns und wünscht uns als erstes ein herzliches Willkommen in Oregon, dann erzählt er kurz etwas vom Oregon Trail. "Ihr macht das gleiche wie die Menschen früher, das ist toll!", seine Worte. Irgendwie hat er recht...

Die Westküste
Als wir endlich am Campground in Sandlake an der Westküste ankommen, staunen wir nicht schlecht. Es wimmelt es hier von Quads (ATV). Wir sind im El Dorado der ATV-Sandfahrer gelandet!

Der Himmel ist ungewohnt bewölkt, ein kühles Lüftchen weht dezent, die Sonne kommt nur langsam durch.

Unser amerikanischer Nachbar lädt uns ein mit ihm und seinem Sohn auf den ATVs einen kleinen Ausflug in die Dünen zu machen. Gleich hinter dem C'platz eröffnet sich die riesige Sandlandschaft. Wie wir erfahren ist dieser Sandkasten der kleinste an der Westküste, dabei finden wir ihn bereits enorm!
Die beiden geben Gas, wir hoppeln auf den hinteren Sitzen rum und haben einen riesen Spaß dabei!
Dann dürfen auch wir eine Runde mit den Spaßmobilen drehen. Das Gasgeben mit dem Daumen ist ungewohnt, der Rest auch, aber es macht Laune durch den Sand zu sausen!

Wir sind zum Schaschlik eingeladen - und zwar zu dem geliebten russischen! Unsere anderen Nachbarn sind Russen und wir verbringen einen sehr netten Abend zusammen, wie er in Russland nicht anders hätte sein können (wenn auch der Vodka fehlt ;-D). Die kurze Zeit mit ihnen hat für uns etwas von einer kleinen Zeitreise!

Wir sind in eisig kalten Nebel gehüllt und frieren wie die Schlosshunde! Seit langem mal wieder haben wir alle rukka Innenfutter an, damit wird es endlich wärmer. Eigentlich haben wir nicht damit gerechnet, das wir sie auf unsere Fahrt durch den Sommer in den USA noch einmal auspacken müssen, werden sie aber noch öfters brauchen.
Zwischen dem Nebel passieren wir, wie bisher so oft, eine recht unspektakuläre, wenn auch schöne, Waldlandschaft.
So hatten wir uns die Westküste nun wirklich nicht vorgestellt!

Wir passieren die Grenze zu Californien und fahren bald darauf durch die Redwoods.

Alte Mammutbäume säumen den Straßenrand. Sie sehen beeindruckend aus mit ihren moosigen, dicken Stämmen!
Trees of Mystery wurde uns mehrfach empfohlen, also halten wir als das große Schild auftaucht.
Der Parkplatz ist gut gefüllt, am Eingang steht ein mehr als überdimensionaler Holzfäller und ein ebenso großer Stier.
Nur die legendären Riesenbäume sehen wir nicht. 13,50 USD Eintritt sollen wir bezahlen, nur um in den Wald zu kommen! Schade, aber aus Trees of Mystery wurde leider Trees of Commerce...! :-((
Wir nehmen auf gut Glück eine kleine Seitenstraße des 101 und fahren prompt durch einen alten Wald mit diesen riesigen Bäumen - und das kostenlos!

Nebel, Nebel, Nebel - es reicht!
 
Bei McKinleyville setzen wir den Blinker und sausen bald raus aus dem Nebel, die Berge hoch in die warme Sonne!
Das tut gut - oberhalb des Nebels ist Sommer und wir genießen eine Kurve nach der anderen!

Mit Vollgas über'n See
Bereits der nette Ranger von Ruth Lake hat uns von den freundlichen Campern am Seeplatz erzählt - auch wir haben viel Spaß mit ihnen. Neben einem Wassertrampolin stehen noch drei Jetski, einer ein Solohüpfer, am Ufer.
Erst bekommen wir ein Bier (eiskalt!) angeboten, dann dürfen wir zusammen eine lange Runde auf einem der Jetski ausprobieren. Der kleine Flitzer macht richtig Laune, wir heizen beide abwechselnd über den See.
Ein symphatischer Althippy fragt Carsten ob er auch den kleinen Jetski mal auspobieren will - na und ob! Auf dem kniet oder steht man. Das kleine Spaßgerät ist noch schneller und schlaucht bei häufigem Absteigen gewaltig. Und das macht Carsten natürlich erst einmal ausgiebig, dann gelingen die ersten Kurven. Die Schräglage ist um einiges intensiver als auf zwei Rädern!
Abends leisten wir unseren Nachbarn beim gemütlichen Beisammensein mit unzähligen Hamburgern und Hot Dogs einige Stunden Gesellschaft und liegen nach einem herrlichen Ruhetag erschöpft und satt im Schlafsack.

Wieder auf dem 101
Der Highway 101 verläuft direkt am Meer, die wenigen Ausblicke die wir durch den Nebel hindurch auf die Küste haben sind viel versprechend.
Es muss sehr schön sein hier, wenn die Sonne scheint...

Californien hat unterwgs einges an Charme verloren - sehr teuer und, da meist Privatbesitz, nur selten Zugang zur eigentlich schönen Küste. Wir versuchen unser Glück am ein und anderen Campingplatz - von 38,- bis 17,- USD pro Fahrzeug!
Dann finden wir doch noch einen bezahlbaren Platz am Meer. Einen Tag am Meer ohne Nebel wollen wir zumindest haben!

So verbringen wir den Nachmittag am Pazifik, lauschen den Wellen und genießen die See. Nach einem farbenprächtigen Sonnenuntergang schlafen wir begleitet vom Konzert der Pelikane ein.
 
If you're going to San Francisco...
Die Golden Gate Bridge! Bei Nieselregen fahren wir über die bekannte Stahlseil-Hängebrücke. Sie ist wirklich beeindruckend, wirkt beim Drüberfahren jedoch kleiner als sie auf den Fotos aussieht.

Dave haben wir über die Webseite adv-rider.com kennengelernt. Er und sein Bruder fahren gelegentlich die Rally Paris-Dakar, er baut Motorräder für die Rally um (teamrally panamerica) und ist ebenfalls bereits viel gereist.
So dürfen unsere Motos in seiner Werkstatt neben echten Rally-Bikes sicher stehen bleiben, wir finden eine bezahlbare Unterkunft in der Jugendherberge Globe Hostel. Für zwei Nächte buchen wir uns ein und sehen uns auch gleich ein wenig um in Downtown.

Ein deutsches Paar, das wir im alten Armeeviertel El Presidio getroffen haben, warnte uns genau vor dieser Gegend. Wir sehen zwar einige Obdachlose und kaputte Typen, aber da haben wir schon üblere Viertel gesehen!

Stadtbummel

Bei anfänglichem Nebel ziehen wir los.
Den bereits bekannten Weg zur Market Street, diese runter bis auf die Haight, welche uns ins alte Hippie Viertel, Haight-Ashbury bringt.
Teilweise schöne, manchmal etwas zu protzige, aus vielen Filmen bekannte, Holzhäuschen säumen die Hügel des Stadtteils.
Trödel- und Klamottenläden reihen sich neben Second-Hand-Geschäften inmitten der netten Holzhäuschen. Alles ganz in Love and Peace gehalten, es herrscht eine nette Atmosphäre!
Nachdem wir uns mit T-Shirts eingedeckt haben, nehmen wir den Bus ins Fischerei- und Seefahrtsviertel Fisherman's Wharf.
Hier tanzt der Bär im Kettenhemd!
Fotos und Video von Golden Gate und Al Catraz schaffen wir noch in Ruhe - dann sind wir plötzlich im dicksten Tourigewusel! Entlang der Straße am Meer reihen sich Imbissbuden, die teuer Krabben verkaufen, teure Restaurants und Seefahrts-Trödel-Touriläden, die alles haben - war man in einem, kennt man sie alle.
Zwischendrin trällert ein Straßenmusikant alte Klassiker, andere zeigen beim Break-Dance akrobatische Verrenkungen. Ein Muskelmann steht so nackt wie eben möglich herum und wartet auf anerkennende Blicke.
Im italienischen Viertel, das an Chinatown angrenzt, herrscht wieder eine ganz andere Atmospäre. Die vielen kleinen Cafe's und das interessante Flair dieser Stadt machen Lust auf mehr!
Sehr reizvoll sind die vielen Straßenmusikanten die an vielen Ecken ihre Künste zeigen und damit zum besonderen Charme der Stadt beitragen.
Wir stärken uns erst einmal dann laufen wir weiter bis wir wieder an der Market Str. ankommen und den gewohnten Weg heim nehmen.

Weiter im Nebel...
Wir verabschieden uns von Dave und fahren auf den Hw.1 zurück. Der macht auch wieder ein paar schöne Kurven, versteckt sich aber meist im gewohnten Nebel.
Erst knapp 70 km südlich von San Francisco reisst der Nebel auf, die Sonne scheint ab und zu durch.

Wieder ist's kalt und grau! Wir haben die Nase voll und beschließen kurzerhand doch in den Yosemity National Park zu fahren. Nur raus aus dem nasskalten Grau! Eigentlich wollten wir noch ein paar Meilen der Westküste folgen.
Kaum haben wir die Küstengegend verlassen und knapp 20 km auf dem Hw.152 East hinter uns gebracht, kommt die Sonne wieder! :-D

Anfangs noch bergig und kurvig, wir die Landschaft bald recht karg. Agrarlandschaft und Steppe in sengender Sonne begleiten uns die gerade, vierspurige Straße entlang. Wir sind die Hitze noch nicht so gewohnt (kommen ja schließlich aus dem Nebel der Westküste) und schwitzen ordentlich, freuen uns dennoch darüber.

Durch einen Torbogen aus Fels kommen wir in die wunderschöne Landschaft des Yosemite Parks mit seinen Monolithen und Schluchten.
Die Berge um uns herum sehen toll aus, glitzern in der Sonne in allen Farben und wir gewinnen rasch an Höhe. Über 8400 feet der erste Pass, 9400 der letzte.
Der Park ist klein und so erreichen wir am Nachmittag den Osteingang und verlassen den Yosemite wieder.
Das weite Tal zwischen Death Valley und der Sierra Nevada liegt hier noch so um die 4000 - 8000 feet, die Luft ist angenehm und die Landschaft um uns herum weiterhin beeindruckend. Berge auf beiden Seiten, Skigebiete und Kraterseen in einer kahlen Landschaft.

Death Valley

18:10, +43 Grad C, -64,6 MüM - wir sind mitten im Death Valley, Ende August! Das war wirklich keine Absicht!

Rasant geht es bergab, erst auf 4000, dann 3000, 2000, 1000 feet. Genauso schnell wie wir an Höhe verlieren steigt die Lufttemperatur.
Die Sierra Nevade rechts von uns ragt spitz und wild in den wolkenlosen Himmel, Bäume sehen wir keine mehr. Steppengras und Büsche haben es noch ausgehalten in der Hitze.
Die Landschaft wird immer pflanzenloser, steiniger und heisser. Faszinierend und lebensfeindlich zugleich - eine beeindruckende Mondlandschaft erwartet uns!
Wir erklimmen einen Pass, freuen uns schon darauf immer den Bergen entlang auf kühler Höhe um das Tal des Todes herum zu tuckern. Dann nach dem steilen Anstieg der Blick auf... eine Wüste! Und wir fahren direkt darauf zu.
Bald erreichen wir Panamint Springs, eine trostlose Raststation vor dem ersten Wüstental. Die Temperatur wird fast unangenehm, aber noch einfach nur knalleheiss! Faszinierend der Ausblick auf die tot wirkende Landschaft, wir geben Gas um rasch den bereits sichtbaren Pass zu erklimmen. Das ist der Towne Pass und mit 4956 feet bietet er fast schon frische Luft - und einen weiteren rasanten Abstieg!
Ehe wir uns versehen sind wir am Mosaic Canyon vorbei.
Wir bleiben auf dem Hw.190, dem wohl heissesten und tiefsten Highway der USA! Wir passieren das so passend benannte Devils Cornfield - die Hitze ist mittlerweile unangenehm, strohtrocken und manchmal schmerzt es sogar, wenn der Fahrtwind die Haut streift - verrückt und das in der prallen Mittagssonne!
Dann kommen lustige Schilder: Elevation: Sealevel, Elevation: -250 feet... Es ist unerträglich heiss! Wir sind mitten im Death Valley, brüten in der Sonne und erreichen gegen Mittag einen Campground, mit Tanke und Generalstore in der Death Valley Ranch.
Schatten hat's, Wasser, wenn auch kochendheiss, auch - es ist zu heiss zum Weiterfahren, wir bleiben!

Wir haben bereits gestern den Golfplatz (!!!) neben dem C'ground bemerkt und uns über so einen Schwachsinn gewundert.
In der Nacht haben wir Nachbarn bekommen, denen wir heute morgen die üblichen Fragen beantworten müssen. Als Alex fragt was die drei Herren aus Süd-Californien denn hier machen, staunen wir nicht schlecht über die Antwort: "Golf!"
Die drei sind etwas irritiert als Alex' knappe Antwort: "Oh, must be funny here!" lautet. Ins Death Valley zum Golfen - die spinnen!

Wir sehe nackte, zackige, im Morgenrot leuchtenden Berge um uns, Dornenbüsche, vertrocknetes Gras und jede Menge Geröll und Kieswüste. Wenn es nicht so heiss wäre, eine imposante Landschaft! Aber wir müssen ja nicht hier bleiben und so können wir die Szenerie um uns herum genießen und passieren bald die Grenze des National Parks.

Las Vegas

Mit dem Bus fahren wir direkt auf den Las Vegas Boulevard, auch The Strip genannt.
Beim, mit einer kleinen Achterbahn umbauten, Casino-Hotel-Restaurant-Bar-Komplex New York, New York kommen wir an.
Eben noch im Death Valley und plötzlich mittendrin in der bunten, Glitzerwelt aus Licht und Geld!
Fasziniert und leicht ferngesteuert lassen wir uns vom Glanz und Glimmer einfach treiben und streifen so den Strip runter.
Las Vegas zeigt sich unglaublich bunt und schrill. Mal hingerissen von dem Glanz, mal schon fast angewiedert von der Perversion dieser Strom- Wasser- und Geld fressenden Stadt.
Wir schauen hier und da mal rein und staunen auf den bunt beleuchteten Straßen.
Ceasers Palace kostet uns dann 5,- USD - alle verzockt und nur einen gewonnen (den natürlich auch wieder verspielt ;-D). Vorbei an Nachbauten vom Eiffelturm, Arc de Triumph, Miss Liberty, Monte Carlo, WTC und Rom, Casinos in rauhen Unmengen (ein Wunder das auf den Klos noch keine Automaten stehen!) und allerlei Bars und Clubs streifen wir bis 1:30 durch die Kunstwelt, ehe wir mit dem Bus wieder zurück fahren.

Ein anstrengender Tag mit vielen neuen Eindrücken - nach dem gestrigen "Todesritt" ;-D durch die Wüste wirken die Stunden in LV noch intensiver, alles ein wenig wie im falschen Film.

Bush is not America!
Wir kannten die USA bisher nur aus dem Fernsehen, den Nachrichten und sonstigen Medienberichten. Deshalb wollten wir eigentlich nie hierher.
Mittlerweile sind wir froh uns von den Menschen, die wir auf unserer bisherigen Reise durch die Staaten getroffen haben, eines besseren belehrt haben zu lassen!
Freundlich wurden wir bereits an der Grenze empfangen und ebenso herzlich überall gegrüßt, aufgenommen und behandelt.
Ja, wir wünschen uns sogar, das man in Deutschland ein paar der schönen Gepflogenheiten aus USA übernehmen würde. So ist es z.B. nett, das man sich freundlich grüßt. Ob im Supermarkt oder abseits der großen Hauptstraßen im Hinterland - ein kurzer Wink oder ein freundliches "Hi, how are you?" gehören einfach zum normalen Umgang dazu.
Ein Lächeln und ein Gruß werden so gut wie immer erwiedert, keiner guckt dumm wenn man ihn grüßt.

Bezüglich dem leidigen Thema Mr. President - seine Politik macht den USA viele Feinde. Die Menschen die wir auf unserem Weg trafen sind sich alle einig. Sie halten nichts von der Kriegspolitik des Weissen Hauses und ein Aufkleber an einem Auto trifft die Sache auf den Punkt:
"Somewhere in Texas a small city is missing his idiot!", stand dort in dicken Lettern geschrieben...


Wie unsere Weiterreise auf den Spuren der Indianer durch die Welt der Canyons, verläuft, erfahrt Ihr im nächsten Bericht, der bereits am Entstehen ist.

Bis dahin, viele Grüße in die Heimat,

Eure Wüstennomaden,

Alex & Carsten




 
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Weltreiseberichte Okt. 2005 - Dez. 06

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