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 | USA 02: Las Vegas - Canyon De Chelly, km 33899 - 35556 |
2-9-06 bis 17-9-06
Gleich nach der künstlichen Welt von Las Vegas geht es mit der "gewohnten" Stein- und Gebirgswüste weiter. Heiss, wunderschön und lebensfeindlich. Wenigstens sind wir irgendwo um die 3000 feet (ca. 1000 m) über Meereshöhe unterwegs - da gibt's neben knalleheiss noch ab und zu einfach nur heiss ;-D Die erste Nacht nach dem Luxus des Hotelzimmers in Las Vegas verbringen wir am Mead Lake, ein Stausee der mit dem Hooverdamm im Süden den langen Colorado River zum knapp 1500 feet tiefen See aufstaut.
Grand Canyon - seine Majestät beeindruckt!
 Ab Kanab geht die Straße bergauf und wir ehe wir uns versehen ist es im Gebiet des Kanab Plateaus und des folgenden Kaibab Plateus wieder richtig frisch beim Fahren. Wir sind auf über 8200 feet und es ist herrlich mal wieder so richtig durchatmen zu können. Nach schöner Fahrt durch Wald, an Wiesen vorbei ereichen bald den C'ground am North Rief auf über 8400 feet. 18,- USD soll der kosten, aber die nette, ältere Dame am Schalter gibt uns den Tip, das wir doch im National Forest überall wild zelten dürfen. Nanau, wir dachten das sei veboten?! Nein, in Utah, Colorado und Arizona ist es in den Forests, wenn nichts anderes dasteht, generell erlaubt. Na prima! Sie weiss auch ein nettes Plätzchen und zeigt es uns auf der Karte. Wir füllen rasch unsere Wasservorräte auf, sind mal wieder froh um die 7 Liter die in die Wassertanks der Gobi® Boxen passen und stauben auch schon bald über die knapp 21 km Schotterpiste an den Platz am Marble Canyon.
Der Ausblick ist fantastisch - auch wenn das nur der kleine Nebenarm des Grand Canyons ist! Immer wieder sehen wir hinunter ins tiefe Tal und sind fasziniert von der Dimension und Schönheit des aussergewöhnlichen Flussbettes des Colorado Rivers.
 Das Bild vor "unserer Türe" wechselt im Laufe des Tages alle paar Minuten - Wolken, Sonne und vereinzelte Schauer und Gewitter um uns herum. Wir bleiben auf der Sonnenseite, spüren nur den kalten Wind und kommen aus dem Staunen und Fotografieren nicht mehr raus. Einfach irre, was die Natur uns hier wieder bietet! Bei malerische Kulisse sehen wir uns"mal wieder" einen schrecklich kitschigen Sonnenuntergang an und verrziehen uns bald danach ins warme Zelt. Ja, hier oben wird es wieder kühl in der Nacht! :-D
Ist der "kleine" Marble Canyon bereits beeindruckend und schön - der Blick in die Schluchtenlandschaft des Grand Canyons ist großartig und unbeschreiblich. Wir fühlen uns wie Winzlinge angesichts dieser von der Natur geschaffenen einmaligen Landschaft. Der Colorado River hat in Millionen von Jahren einen Großteil der Arbeit an den Schluchten geleistet und sich tief hinein geschliffen in die Erde, der Rest des beeindruckenden Canyons wurde und wird weiterhin durch Erosion geschaffen.
Dunkle Wolken ziehen auf und auf dem Weg zu unserem nächsten Zeltplatz erwischt uns der erste Gwitterschauer seit knapp einen Monat... Der Platz liegt so nah am Canyon - wir können fast hineinspucken! Dementsprechend auch der Ausblick - bizarre Berge und jede Menge Schluchten direkt vor der "Haustüre"!
Ein kräftiges Gewitter zieht uns gegenüber über den Canyon, errreicht uns jedoch Gott sei Dank nicht. Beeindruckende Blitze und gegen später Wetterleuchten erhellen die zerklüftete Landschaft. Ein Gewitter hier so nahe am Abgrund und in der Höhe wollen wir beide nicht.
 Dennoch erreicht uns dann später doch eines. Es blitzt und kracht gewaltig, Hagelschlag lässt den Wald weiß werden und es trommelt ordentlich auf unser altes Zelt. Aber trotz aller Befürchtungen - es hält und wir werden nicht vom Blitz erschlagen. Nach dem knapp halbstündigen Spektakel ist Chaosbeseitigung und Gräben ziehen angesagt. Der ganze Platz ums Zelt steht unter Wasser, ein kleiner Bach zum Canyon runter hat sich gebildet.
Wir sind schon gespannt, was die weiteren Canyons uns so bieten werden, der größte von allen hat uns jedenfalls sehr beeindruckt.
Red Canyon und Bryce Canyon - rote Erde in bizarren Formen
Dunkle Wolken am Himmel lassen uns an einer Rest-Area anhalten und vespern. Das war auch gut so, denn schwerer Hagelschlag hat auf dem folgenden Pass mit seinen über 6400 feet einen schweren und einen kleineren Unfall verursacht. Noch als wir einige Zeit später an der, noch nicht geräumten Unfallstelle vorbeifahren, liegt auf den Wiesen links und rechts der Straße und auch auf dem Asphalt noch immer Hagel.
Schon bald sehen wir herrlich rote Canyon Felsen - wir sind im Dixie Natl. Forest und fahren in den Red Canyon. Den Namen hat er nicht umsonst - die hellroten Felsen mit ihren sandigen Sockeln sehen wirklich toll aus! Von unserem Zeltplatz aus genießen wir einen herrlichen Ausblick auf ein paar der roten Felsen, bevor wir uns nach der lang ersehnten Dusche auf den Weg in den Bryce Canyon machen. Die Gegend gehört zu den als letzte erschlossenen Gebieten der USA. Sie ist aber auch am touristischsten - Busse voller Touris umgeben uns am Viewpoint Sunrise. Aber der Ausblick auf die bizarren Felsen, durch Erosion geschliffen und leuchtend rot, ist fantastisch!
Der Burr-Trail
 Wieder auf dem Hw. 12 erreichen wir bald eine weitere beeindruckende Felslandschaft. Zwischen Escalannte und Boulder bilden weisse Felsen eine bizarre Szenerie, wenn auch die Steine alle glatt und nackt sind. Einzelne Bäumchen und im Flusstal auch mehrere haben ihr Plätzchen gefunden. In Escalante spendiert uns ein begeisterter Motocrossfahrer kalte Getränke und versorgt uns mit Landkarten und guten Tips, als er erfährt das wir den Burr-Trail fahren wollen. Wir haben eigentlich nur zufällig vor seinem gerade geschlossenen Imbiss angehalten. Seine Frau schenkt uns frisch gebackenes Baguette und wir werden mit den allerbesten Wünschen verabschiedet. Der Burr-Trail ist eine knapp 100 km lange offroad Strecke ohne jegliche Zivilisation, die nur bei trockenem Wetter fahrbar ist. Da in der gesamten Gegend schwere Unwetter gewütet haben sind wir noch etwas unschlüssig. Da uns jedoch anderntags die Sonne ins Zelt lacht, beschließen wir unser Glück zu versuchen. Das Unwetter hat riesige Felsbrocken auf die Straße gespült und wir fahren mit allergrößter Vorsicht um die vielen Kurven des anfangs noch asphaltierten Trails. So kommen wir durch traumhaft schöne, rot leuchtende Canyonschluchten mitten hindurch auf einen Pass hinauf. Einige Kilometer vor der Passhöhe endet der Asphalt. Durch den Regen der letzten Tage ist es im Tal saftig grün und der Himmel erstrahlt in wolkenlosem Tiefblau. Doch damit nicht genug: vom Pass oben herab blicken wir in die nächste imposante Canyonschlucht und steile Serpentinen führen uns dort hinunter.
Kurz bevor wir wieder die Zivilisation erreichen müssen wir die einzigste Flussquerung des ganzen Trails meistern. Eine Mulde, bereits wieder auf Asphalt, ist mit schlammig braunem Dreckwasser überflutet. Die braune Dreckbrühe spritzt schon Carsten bis weit über die Koffer und Alex bekommt eine Volldusche der ekelhaften Brühe, da hier deutlich weniger Geschwindigkeit angebracht gewesen wäre!
Lake Powell
 So erreichen wir den Statepark Glen Canyon National Recreation Area am Powell Lake, wo die Dame am Eingang amüsiert meint: "Oh, ihr seht aus, als ob ihr den Trail gemacht hättet". Unser Schlammbad sorgt überall für interessierte Blicke, dabei war der Trail an sich ja nur halb so wild! Carwash gibts hier nicht, die Tankstelle ist die einzige Einkaufsmöglichkeit und es scheint hier eher ein Ausflugsziel für Bootstouristen als ein Dorf zu sein. Aber es gibt einen See, wo uns ein netter Ranger einen Tipp zum Campen hat. Bis wir in dieser schattenlosen Gegend dann endlich einen Platz gefunden haben an dem noch kein Wohnklo geparkt hat, dauert es eine Weile und wir fahren über anspruchsvollste Sand-, Schlamm- und Geröllfelder wo garantiert sonst niemand mehr hinkommt!
Alex hat bereits vor zwei Tagen ein knackendes Geräusch beim Langsamfahren bemerkt und wir vermuten ein defektes Lenkkopflager. Lenkerflattern und Knacken bei langsamen Kurven. Ansonsten aber alles stabil und da es hier weit und breit keine Werkstatt gibtt muß es auch so weiter gehen.
Unterwegs im Navajoland
 Wir sind beide sehr gespannt auf das Indianerreservat der Navajos. Ein von den Navajos selbst verwaltetes sehr großes Gebiet mit eigenen Gesetzen. Weiße dürfen hier kein Land besitzen und auch nur mit Ausnahmen leben und arbeiten.
Leider ist unsere erste Bekanntschaft mit den Indianern sehr enttäuschend. Als wir Monument Valley besuchen, um dort auf dem Campingplatz zu zelten erfahren wir die totale Touristenabzocke und die Menschen sind unfreundlich wie wir es noch nie erlebt haben. Auch das Aussehen derr Dörfer hat sich verändert. Statt, wie bisher gewohnt, meist nett und liebevoll gepflegt und verzierte Häuschen sehen wir nun jede Menge Müll, völlig heruntergekommene kaputte Unterkünfte, meist alte Wohnwägen. Neben vielen Behausungen stehen sogenannte Hogan, eine Art Rundzelt, meist aus Stein, Holz oder Lehm gebaut. Früher und teilweise auch heute noch als spiritueller Raum genutzt. Die Eingänge zeigen alle nach Osten.
Auffallend sind aber auch in jedem Dorf die vielen diversen Kirchen und fast überall steht ein Palast der Zeugen Jehovas mittendrin. Die Leute sehen oft abgewrackt aus, einige mit Behinderungen, andere ganz normal aber sehr abweisend. Obwohl Alkohol im gesamten Reservat verboten ist begegnen wir zunächst ständig Besoffenen. Nur wenige grüßen oder erwiedern ein Lächeln. Soll das die Bevölkerung der stolzen Navajo Nation sein?
Die Landschaft durch die wir fahren ist bis auf wenige kleine Dörfer leer und trocken, immer wieder canyonartig.
Der Canyon de Chelly soll unser letzter Canyon sein. Er liegt auch im Navajoreservat und wir haben erfahren, dass es ein heiliger, spiritueller Platz für die Indianer ist. Wir hoffen von ganzm Herzen, das der Canyon de Chelly einen besseren Eindruck hinterlässt als das was wir bisher gesehen und erlebt haben.
Jat' eyj shik' is
 Mittags erreichen wir die kleine Stadt Chinle am Eingang des Canyons. Auf den ersten Blick sieht es nicht viel besser aus, Hotels neben billigen, einfachen, teilweise kaputten Häusern im Staub und Müll. Doch es herrscht eine andere Atmosphäre hier. Am Eingang des Canyons im Visitor-Center ist es ruhig, kein Rummel, keine Abzocke, freundliche Menschen und ein kostenloser einfacher Campingplatz.
Abends haben wir das Glück einen Vortrag mitzubekommen. Ein weißer Ranger, der in der, einige Kilometer entfernten Hubble Trading Post arbeitet, erzählt von seinem Leben im Navajo Land. Es wird ein interessanter Vortrag, wir lauschen neugierig und erzählen ihm später von unseren bisherigen, enttäuschenden Erlebnissen. Er ist ein wenig entsetzt, denn er liebt die Navajo und deren Kultur. Wir sollen ein paar Tage bleiben um mit den Menschen hier in Kontakt kommen. Sie sind die eigentlichen Natives und sehr freundlich. Um dies ein wenig zu erleichtern bringt er uns eine Begrüßung auf Navajo bei: Jat' eyj shik' is - Hallo mein Freund!
Der Ranger erzählt uns, dass die Arbeitslosigkeit im Reservat über 50% liegt. Vor allem viele junge Menschen haben enorme Schwierigkeiten, sich zurecht zu finden zwischen der Tradition ihrer Geschichte und dem modernen Leben, welches das Reservat umgibt. Auch für uns ist diese "Insel" inmitten der USA irgendwie ungewohnt. War bisher alles tiptop und meist sauber und schnieke, gibt es hier wieder Löcher im Gehweg, Staub weht durch die Straßen, Kühe grasen am Straßenrand.
Wir haben ja Zeit und so befolgen wir den Rat des Rangers und bleiben länger als eigentlich geplant. Schon beim ersten Einkauf in Chinle erleben wir eine freudige Überraschung: die Menschen hier sind sehr offen und freundlich, ja sogar neugierig. Wir kommen mit den Leuten ins Gespräch und im Waschsalon bekommen wir den To'malis angeboten, in Maisblättern gekochter Nudelteig mit würziger Hackfleischfüllung.
Der Canyon - eine kleine beeindruckende Schönheit!
In den folgenden Tagen besuchen wir ausgiebig den Canyon. Wir wandern hinab in das grüne Canyontal und besichtigen die vielen Viewpoints am Canyonnord-und Südrand. Der Canyon ist wunderschön. Der, im Sommer ausgetrocknete Fluss hat sich tief hineingefressen in den roten Fels, faszinierende Muster hinterlassen und unten im Tal blühen die Blumen. Wir besichtigen die Ruinen des White House. In Höhlen gebaute Stein und Lehmhäuser der alten Pueblos, die von den Navajo einst übernommen wurden, bevor jene um 1860 von der US-Army getötet und deportiert wurden. Der Canyon sieht jedesmal anders aus, die Muster im Fels verändern sich mit der wandernden Sonne. Viele Höhlen und weitere Puebloruinen sind umgeben von senkrechten Steilwänden in allen möglichen Rottönen.
Hier leben noch heute die Navajo wie früher, hüten ihre Ziegen, betreiben Ackerbau, reiten mit ihren Pferden durch den Canyon und bewahren die alten Traditionen. Unseren Weg kreutzt ein altes Mütterchen das ihre Ziegen durchs Tal treibt. Wir begrüßen sie auf Navajo, sie guckt etwas erstaunt und bringt ein drolliges, zahnloses Lachen hervor. Sie antwortet uns auf Navajo, wir verstehen sie natürlich nicht und so bleibt es zunächst dabei, daß wir uns alle drei einfach lachend gegenüberstehen. Eine Weile überlegen wir hin und her, ob wir sie um ein Foto bitten dürfen und tun dies schließlich. "One Dollar", ist die prompte Antwort, soviel Englisch spricht sie dann doch ;-D Wir zeigen ihr das Bild auf der Kamera, sie lacht und guckt erstaunt, einfach herzig! Während der fünf Tage, in denen wir uns am Canyon de Chelly aufhalten, freuen wir uns immer wieder über die Offenheit und Freundlichkeit der Menschen. Wir sind froh die Zeit für einen länger als geplanten Aufenthalt gehabt zu haben, doch irgendwann müssen wir dann doch weiter.
So verlassen wir bald das Navajo Land und fahren weiter Richtung Süden. New Mexico und Texas werden die letzten Staaten sein die wir besuchen. Was wir auf der letzten Etappe so erleben steht im nächsten Bericht - wie immer auf dieser Mattscheibe.
Machts gut und schaut mal wieder rein,
Grüße aus dem Navajo-Land!
Alex & Carsten
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