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 Wir wollten mal nach Andalusien..., Nov.2007

weitere Reisen ab 20072197 km, einmal Küste und zurück
Eigentlich ist der November nicht gerade ein traditioneller Monat um mit dem Motorrad durch Europa zu touren, aber wie es so ist: kaum ein Jahr in Deutschland und schon sinds berufliche Gründe die einem in die Reisepläne funken...
Aber wir wollen unbedingt Motorradfahren und so machen wir uns am 11. November (bei dementsprechendem Schmuddelwetter) auf den Weg nach Süden, Andalusien soll unser Ziel sein.

Etwas ungewohnt ist es für uns "Zeltnomaden" schon - morgens losfahren, Hotel anpeilen (bei 10°C und ziemlich nasser Luft macht das Zelten irgendwie nicht so Spaß...), Essen gehen und ins Bett fallen. Irgendwie war da zwischen dem Losfahren und dem ins Bett fallen etwas anders auf der letzten Reise.
Aber gut, wir lassen den ersten Regentag von Freiburg aus auf breiten Asphaltstraßen bis nach Bourg en Bresse / F hinter uns und nehmen tapfer weiter Kurs nach Süden.
Die Autobahn wird das dunkle Band das unter den Reifen nach Spanien führt. Wir wollen so rasch wie möglich in die wärmeren Gefilde am Meer, die Wettergötter geben die Sonne bald frei, die Fahrt auf den französischen Autobahnen hat was entspannendes (Maut für alle und max. 130 km/h - subba Sach! :)).

Die kalte Luft die uns bisher immer begleiten wollte, läßt uns ab Montpelier plötzlich im Stich. Wir vermissen sie nicht lange und freuen uns über die Wärme der Sonne auf einem Rasthof.
Die Frage ob wir aus Russland seien ist etwas ungewöhnlich, das sie uns auf Russisch gestellt wird verwundert uns hier in Südfrankreich ein wenig. Ein Déja-vu? Die Frage kommt von einem Armenier, der die RUS- und Baikal-Aufkleber auf unseren Koffern gesehen hat. Schnell werden die russischen Vokabeln wieder präsent und wir erleben eine herrlich russische halbe Stunde. Seine Familie kommt dazu, es gibt Blini mit Fleisch, Kekse - eta kak Russia! (Das ist wie in Russland!)
Gedanklich wieder voll im Reisen, kulinarisch voll im Bauch und mit Sonne über dem Helm lassen wir uns weiter auf der Autobahn treiben.
Das Mittelmeer empfängt uns mit der ziemlich verbauten und aufgerissenen Industrie-Gegend um die südfranzösische Hafenstadt Sète. Nix wie raus hier, weiter Richtung Agde, wo wir in einer verlassen wirkenden Tourisiedlung keinen geöffneten Campingplatz mehr finden.
Naja, dann halt wie auf Weltreise: nette Menschen finden, nach einem Platz für's Zelt fragen und einen netten Abend dort verbringen. Genauso haben wir es dann auch gemacht und fühlten uns schon jetzt wieder ein wenig wie auf der letzten, großen Tour :)
So schaffen wir es am dritten Tag zum ersten Mal unser neues "Gute-Laune-Zelt" (wieder innen gelb, das hebt die Stimmung ;)) in die Meerluft zu stellen.

Die Pyrenäen rücken näher und einn zunehmender Wind kommt auf. Der ist nicht nur gemein böig sondern raubt auch der Sonne die Kraft. Überholen wird zur Slalomfahrt, immer wieder gibt's ein paar Kinnhaken vom lieben Wind, die Fahrt wird ziemlich anstrengend. Da wir ja nicht auf Weltreise, sondern im Urlaub sind (müssen wir uns gelegentlich sagen, damit wir nicht versehentlich einfach nochmal um die blaue Kugel fahren ;)), beschließen wir uns an der total verbauten Costa Brava einen gemütlichen, geöffneten Campingplatz zu suchen.
Also flux über Pyrenäen und spanische Grenze, runter von der Autobahn und voll rein in den "Tramontana".
Um zu verstehen warum wir die Fahrt bis zum (nicht sehr gemütlichen, aber geöffneten)
Campingplatz nur mit äußerster Mühe unfallfrei geschafft und dann drei Tage in diesem, vom Massentourismus schwer gezeichnetem Touristenvorort von Roses festhingen, muss man den Tramontana kennen.
Wer jetzt ein lustiges Volksfest oder eine ähnliche Veranstaltung erwartet (wegen der man ja auch mal festhängen kann ;)) - Fehlanzeige!
Der Tramontana ist ein eiskalter Fallwind der gelegentlich für 3-4 Tage von den Pyrenäen runter kommt und sich dann wieder verzieht. Dazu Windstärken 8-10, in Böen auch flotter. So flott, das die 'Dicke' nach einem heftigen Windstoß zu Boden gehen wollte!
Also nix wie die Spannriemen raus und die Motos an die Bäume gebunden...

Wenigstens scheint die Sonne und wir kämpfen uns an den architektonisch wenig anspruchsvollen Hotels am, eigentlich schönen, Strand vorbei, bis in die Innenstadt von Roses.


Endlich hat der Sturm nachgelassen, wir sind wieder on the road, nach knapp 50 km lassen wir auch den Tramontana hinter uns (wir haben ihm nicht "Auf Wiedersehen geagt...) passieren den dicken Autobahnknoten Barcelona und erreichen die Costa Daurada bei Cambrils.
Nach ein wenig Suchen finden wir auch einen, gemütlichen, ziemlich leeren Campingplatz wo wir ein paar Tage die Sonne genießen können.

Durch die drei Tage im Sturm haben wir wertvolle Zeit verloren und (dummerweise) müssen wir ja auch wieder zurück fahren, nach Freiburg. Also haben wir unser Ziel der vorhandenen Zeit angleichen müssen - statt Andalusien (bis dahin wären es nochmals knapp 1000 km!) ist nun der Weg das Ziel (klingt ja auch viel philosophischer ;)).

Jetzt machen wir noch ein paar Tage Urlaub am Meer, drehen eine Runde im verlassenen Hinterland und philosophieren über den Massentourismus.
Eigentlich eine gute Sache, wenn die Scharen von Pauschaltouristen auf wenige Orte gebündelt werden und so nicht das ganze Land belästigen. Aber müssen dafür immer, landschaftlich eigentlich sehr reizvolle Gegenden mit Autobahnen, Bettensilos und Andenkenläden verunstaltet werden?

Bevor uns das angekündigte Sauwetter erreicht treten wir den geordneten Rückzug an. Den Heimweg verbringen wir dann wieder auf der Autobahn, tuckern von "Formule 1"-Hotel zu "Formule 1"-Hotel (die sehen alle gleich aus, man weiss wenn man aufwacht nie wo man eigentlich ist. Sind aber mit ca. 30€ / Nacht eine echte Alternative...) und testen am letzten Fahrtag nochmals ausgiebig die Wasserdichtigkeit und Isolation der rukka-Ausrüstung. Sieben Stunden Fahrt bei Dauerdusche von vorne, oben und unten, dazu knappe 10°C. Beste Voraussetzungen für Kritik an undichten Sachen. Nur haben wir keine undichten Stellen feststellen können, alles dicht, warm und kuschelig (bis auf Hände und Füße, aber da haben wir ja auch kein rukka! ;)))!

Soweit unsere letzte Reise, ein Ausflug in Gegenden die wir eigentlich niemals besuchen würden. Aber das ist der größte Vorteil eines Motorradurlaubes im November: keine Touristenscharen die die ohnehin schon geschundene Landschaft noch mehr durcheinander bringen....

Grüße aus Freiburg,
Carsten & Alex




 
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