
3.419 km durch Europa
Der
erste Versuch auf dem Landweg auf den Pilio nach Griechenland zu
gelangen war 2003 an "unserem" Tief und Zeitmangel gescheitert. Ein
wenig besser vorbereitet machen wir uns im August wieder auf den Weg -
unser Tief lassen wir am eigentlich geplanten Abfahrtstag an uns vorbei
ziehen...
Freiburg – Rijeka
Route:
Freiburg B31 - Neustadt - Geisingen - Autobahn Singen - A98 Lindau - Friedrichshafen - Lindau - A96 Bregenz - A14 Feldkirch - Arlbergtunnel - A12 Innsbruck - Abfahrt Ötztal - Zwieselstein - Timmelsjoch - San Leonardo - Jaufenpass - Vipiteno - A22 Abfahrt Brixen - E66 Bruneck - San Candido - Tessenberg (A) - B111 Obertiliach – Maria Luggau – Kötschbach – Plöckenpass – Arta Terme (I) – Ss52 Tolmezzo – Autostrada Alp-Adria: Udine – Trieste – Slowenien E61 – (HR) – Autobahn 8: Rijeka
Die Sonne lacht als wir am Morgen losknattern und uns in das Verkehrsgewühl Richtung Bodensee stürzen. Bei ziemlich zähem und dichtem Verkehr auf der B31 erreichen wir gegen Mittag Österreich. Mit der 10-Tagesvignette (4,40€ p. Moto.) ausgerüstet geht's durch Österreich, die zahlreichen Tunnel lassen den CO-Gehalt im Blut ansteigen.

Da wir durch diverse Staus schon recht spät dran sind und die von Skipisten und Hotels geschundene Alpenlandschaft um St. Anton bereits kennen, entscheiden wir uns für den mautpflichtigen (8,50 € p. Moto.) Arlbergtunnel.
Noch ein paar Schwünge durch das lange Ötztal und nach ein wenig Suchen finden wir nach 377 km den wilden Platz am Fluss (N46.9332717 E 11.0177433). Hier haben wir noch bereits auf der letzten Balkanreise eine Nacht verbracht bevor wir im Regen das Timmelsjoch überquert haben.
Heute ist es herrlich hier! Der Gebirgsfluss rauscht, die Sonne verschwindet langsam hinter den hohen Gebirgskämme um uns herum, es hat kaum Mücken (die sich auch noch vor der Dämmerung wieder verziehen) - ein perfekter Platz für unser Gute-Laune-Zelt.
Schön mal wieder unterwegs zu sein!
Knapp 14 Stunden später brechen wir erneut zum Timmelsjoch auf - diesmal bei Sonnenschein :D.

Die gut ausgebaute Straße kostet einige Kilometer unterhalb der Passhöhe mittlerweile 8,50€ Maut und bringt uns in weiten Serpentinen durch die kahle Gebirgslandschaft auf 2490 Höhenmeter nach Italien. Oben auf der Passhöhe hängen dünne Wolken über uns, doch die Abfahrt bringt uns rasch wieder in die Sonne. Die Aussicht wird bombastisch, die Serpentinen und die Straße wesentlich enger. Teilweise ohne Leitplanken bietet die Straße oft einen abenteuerlichem Blick in den Abgrund.
Gleich der erste Tunnel erinnert uns an ein schwarzes Loch - trotz Fernlicht sieht man nix!! Wenn an den Fahrbahnrändern keine roten und weißen Blinklichter gewesen wären... Ein komisches Gefühl.
Unmengen an Autos bremsen die Abfahrt bald gewaltig. Eine herrliche Entschädigung bringt uns gleich im Anschluss der Jaufenpass. Eine geniale "Rennstrecke"! Anfangs waldig mit herrlichen Kurven, dann meist gut einsehbare Serpentinen, wenig Verkehr und Sonnenschein - die Dicke und die MuZ haben ihren Spaß!
Wieder talwärts erreichen wir bald erneut eine Blechlawine und kämpfen uns durch die Alpen im Schnarchtempo - ätzend! Die E66 (Bruneck / Toblach) ist mal wieder ziemlich verstopft. Bereits 2003 bot sich uns das gleiche Bild - wir nehmen uns fest vor diese Strecke beim nächsten Mal unbedingt zu umfahren.

Wieder in Österreich suchen wir im Lesachtal zunächst ein wildes Plätzchen, finden auch eines, das aber nicht wirklich gut ist und suchen weiter. So landen wir dann auf dem recht schnuffigen Zeltplatz in Maria Luggau ( N46.7035717 E12.7413033 ). Keine Wohnklos (die kämen die steile Abfahrt auch kaum runter :D), preislich ok (16,- € alles zusammen) und ein Ausblick auf eine Modelleisenbahnlandschaft. Sattgrün leuchten die bewirtschafteten Hänge mit ihren typischen Alpenhäusern im Abendlicht. Der dunkelgrüne Nadelwald wird immer dünner bevor die steinernen Gipfel der Berge in den wolkigen Himmel ragen.
Nach zwei nächtlichen Gewittern kommen wir im Trockenen bei tief hängenden Wolken und erneutem Gewittergrollen aus der Ferne los. Wir schlängeln uns die engen Kurven das restliche Lesachtal hinunter, die Regenklamotten an. Die Straße windet sich herrlich eng durch Dörfer und Schluchten, der Belag ist teilweise holperig - ideal!
Die Abzweigung zum Plöckenpass bringt uns wieder Richtung Italien. Eine ebenfalls kleine Straße windet sich auf knapp 2000 Höhenmeter und in engen Serpentinen wieder hinunter. Tunnel in den Serpentinen steigern den Anspruch noch ein wenig, v.a. wenn Wohnklos in den engen Kurven plötzlich stehen bleiben - warum auch immer...
Im waldigen italienischen Tal angekommen erwartet uns ein heftiges Unwetter, die neuen Stiefel und die bewährte rukka-Kleidung werden getestet - erfolgreich, alles bleibt trocken! :D Bis wir an einer Tankstelle zusammen mit weitere Bikern Unterstand suchen, da auf den Blitz auch gleich der Donner folgt und der Regen doch etwas Überhand nimmt. Nach einigen Minuten ist das Gröbste abgezogen und wir knattern weiter nach Süden.
Wie wir es kennen empfängt uns die Ebene von Italien schwül-heiß und windig. Wir kämpfen uns weiter an Udine auf der Autobahn vorbei, biegen Richtung Trieste ab und passieren die Grenze nach Slowenien.
Als wir das letzte mal hier waren, gehörte Slowenien noch nicht zur EU. Jetzt ist die Grenze offen - schön!
Wir folgen der E61 durch hügelige und grüne Landschaft Richtung Kroatien und passieren die nächste Grenze mit Kontrolle aber ohne Probleme.
Wir halten uns an die Schilder nach Rijeka, landen auf der neuen Autobahn und zahlen 1,50€ Maut je Motorrad - ein Zettel am Mauthäuschen gibt zu verstehen das man nur Euro nimmt, keine Kuna.
Der Himmel ist leicht gewittrig, aber es bleibt trocken bis Rijeka - den Göttern sei Dank! :D
Wir nehmen die Abfahrt Richtung Zentrum, drehen eine Ehrenrunde, da wir am Containerhafen landen und nehmen noch ein älteres italienisches Ehepaar im Auto ins Schlepptau. Sie sind uns einfach mal hinterher gefahren, da sie sich dachten das wir, wie sie zum Hafen wollen. Also kurz nach dem Weg gefragt und als Guides wieder retour auf Hafensuche. Ich biege einmal falsch ab und wir landen wieder am Containerhafen. An einer Kreuzung fragen Alex und ich schließlich verschiedene Autofahrer nach dem Weg. Alex allerdings einen Geldtransporter. Der Fahrer verstößt wohl gegen sämtliche Sicherheitsvorschriften, als er für die behelmte Alex mit einigen Handgriffen eine kleine Luke an der Fahrertüre öffnet. :D
Naja, kurz und gut – dieses mal biegen wir richtig ab und landen endlich am Passagierhafen, dessen Anblick wir noch kennen. Die Beschilderung zum Hafen scheint ein wenig dürftig oder ist gut versteckt.
Wir haben Glück, die Marco Polo ist zwar voll, aber Alex schafft es noch eine Deckpassage und zwei Plätzchen für die Motos zu bekommen. Puh! Pünktlich um 18:00 wird geladen und wir bekommen noch den Anfang eines kräftigen Unwetters ab, bevor wir endlich im trockenen Bauch der Fähre ankommen.
Die Entscheidung mit der Fähre nach Dubrovnik zu fahren war wohl goldrichtig. Es blitzt und donnert gewaltig, der Regen ist ausgiebig, das Gewitter begleitet uns noch eine Weile durch die dunkle Nacht auf See.
Noch ein Bierchen für die Götter (als Dank ;)), eines für uns und ein weiterer, erfolgreicher Reisetag geht zu Ende.
Kroatien
Währung: Kuna, 1€ = 7,13 Kuna (€ wird ohne Probleme akzeptiert)
Benzin: 95 Okt.: um die 9 Kuna / Liter
Route: Dubrovnik E65 - Dubac - Plat, Camping Paradiso Laguna – E65 Cavtat – Montenegro – E65 Herceg Novi – E65 Budva – Petrovac – Bar – Stari Bar – Krute – Vladimir – Sukobin - Albanien, Shkodër

Pünktlich um 15:00 legt die Marco Polo in Dubrovnik an, wir kommen rasch von Bord und machen uns auf den Weg ein schönes, beschauliches Plätzchen zu finden.
Als erstes drehen wir mal eine Ehrenrunde durch Dubrovniks Altstadt. Diesmal die echte (2003 hielten wir irrtümlicherweise die Gegend um das Hafenviertel für die Altstadt). Enge Gassen, alte Steine in Form von restaurierten Wehranlagen und Häusern, dazu ein buntes Treiben internationaler Touristen.
Nach der kleinen Ehrenrunde gelangen wir dann doch noch auf die E65 und folgen ihr in heißer Sommersonne die Küste entlang bis wir unser Plätzchen für die nächsten zwei Tage in Plat auf dem Auto-Camp Paradiso / Laguna ( N42.6067983 E 18.2271500 ) finden. Mit einer sehr steilen Zufahrt - kein Zugang für Wohnklos! - liegen die Plätze unter Olivenbäumen auf Terrassen und der Weg zum Meer ist auch nicht weit. Preislich ok, also nehmen wir den Platz.

Dann Zelt aufbauen, einrichten und nix wie zum Essen. Wir gönnen uns ein Restaurant knapp 100m oberhalb des Campingplatzes. "King" bietet uns eine köstliche Grillplatte und schon bald sind wir gut satt und bezahlen 201 Kuna.
Der Vollmond strahlt groß und hell als wir wieder am Platz ankommen. Unsere Nachbarn, ein Paar aus Wien, laden uns noch auf ein Bier ein. Gute Idee, wir bringen Wein und Cookies mit und es wird ein sehr netter und langer Abend.
Die beiden kommen gerade von einem Auslandseinsatz im Kosovo und sind nun mit ihrem Jeep auf dem Heimweg nach Wien. Beide waren ca. 6 Jahre lang immer mal wieder im Dienste der UN in Auslandseinsätzen in Syrien, Israel und im Kosovo. Es gibt viel zu erzählen, interessante Geschichten und Weltpolitik beschäftigen uns bis um 3:00!
Nebenbei beobachten wir noch ein fast totale Mondfinsternis bei eigentlichem Vollmond.
Albanien
Währung: Lek, 1€ - 120 Lek
Benzin: 95 Okt. ca. 155 Lek
Route: Shkodër – SH1 / E762 Ri. Tirana – Abzw. Richtung: Komani - Fähre bis Fierze – Bujan – Fierzë – Miliska – Kulumbri – Fushë Arës – Pukë - SH1 / E762 Ri. Tirana – Lezhë – Vorë SH2 – Durrës – Golem - SH4 Kavajë – Lushnjë – Feir – Malla Kastër – Tepelenë – Gjirokastër – Jergucat - Kakavijë – Griechenland E853
Nach einem Ruhetag am Strand starten wir wieder im Sonnenschein und sind beide gespannt und neugierig auf ein neues Land - Albanien.
Immer der Hauptstraße 8 entlang erreichen wir bei die Grenze nach Serbien-Montenegro und passieren diese ohne Probleme. Montenegro ist bereits voll auf Europa eingestellt - Euro als Währung, die Nummernschilder im EU Standard (nur die Sterne der Europaflagge fehlen) - fehlt nur noch die Mitgliedschaft in der EU.
Die Landschaft ist der griechischen sehr ähnlich, die Straßen sind gut, nur die Mienenwarnungen an der ein und anderen kleinen Abzweigung sind uns fremd.

Um nicht mit dem Lastwagenverkehr in einer Schlange stehen zu müssen, nehmen wir den kleinen Grenzübergang bei Sukobin nach Albanien.
Nach ein paar Minuten Wartezeit in der überschaubaren Schlange dürfen auch wir einreisen. 10,- € Einreisegebühr und schon knallen die Stempel in unsere Pässe - ska problem.

Die Landschaft durch die wir unsere treuen Einzylinder treiben ist geprägt von der fruchtbaren Ebene eines der größten Flüsse des Landes, dem Drin. Von diesem Delta aus mündet er ins Meer, nachdem er die albanischen Alpen verlassen hat. Diese werden uns später noch beeindrucken.
Doch zunächst steuern wir die drittgrößte Stadt Albaniens an - Shkodër empfängt uns leider zuerst recht unangenehm. Von Norden kommend führt eine alte Holzbrücke über den Drin. Einige Autos vor uns halten an, die Fahrer scheinen der Brücke nicht zu trauen. Das wir dadurch auch kurz anhalten müssen nutzt eine Gruppe Kinder hemmungslos aus und ehe wir uns versehen machen sich flinke Hände an Gepäck und Motorrädern zu schaffen. Es wird gebettelt, gezupft und gerissen. Vor den ärmlich wirkenden Hütten am Straßenrand sitzen die Erwachsenen und sehen zu. Die einzige erfolgreiche Lösung besteht im Losfahren - also geben wir Gas und drücken uns an den wartenden Autos vorbei um die nervigen Kinder loszuwerden.
Im Zentrum, nahe des großen Denkmals für vier albanische Freiheitskämpfer finden wir das kleine Hotel Kaduku ( DZ, Frühstück: 40,- €, N42.0673050 E 19.5119750 ) für die Nacht in Shkodër.
Die heutige Fahrt war zwar nicht besonders weit, aber wir waren für die 187 km satte 7 Stunden unterwegs!
Einem Tipp aus dem Reiseführer und des Hotelchefs folgen wir zum Restaurant "Tradita" in der Skanderberg-Straße.
Zwischen halbfertigen und halb zerfallen großen Häusern versteckt finden wir das mehrere hundert Jahre alte Gebäude aus Stein.

Vom freundlichen Ober empfangen bekommen wir zuerst eine kleine Führung durch das alte Gebäude, welches eine Mischung aus Museum und Restaurant ist. Der größte Schatz ist eine Sammlung traditioneller Kostüme, wovon wir aber nur zwei in Vitrinen ausgestellte Exemplare sehen können, da der Chef nicht da ist. Der Ober erzählt einige interessante Geschichten über sein Land, bevor wir am alten, massiven Holztisch Platz nehmen.
Statt uns durch die albanische Speisekarte zu kämpfen, bietet er uns an uns eine kulinarische Reise von allen traditionellen und saisonalen Gerichten an. Na, entweder geschäftstüchtig oder nett oder beides. Wir gönnen uns das Vergnügen und lassen ihn mal alles bringen...
Und sind, meist, begeistert. Viel leckeres Fleisch, eingelegtes Gemüse und Salate, eine Art Feta und guter Wein. Das albanische Bier ist so lala, ich bestelle lieber ein Amstel nach.
Da der Chef nicht da ist, läuft nicht gerade die traditionelle Musik - heißer Tekkno knallt ein stetiges "Fuck you" durch die historischen Gemäuer. Eine zu komische Mischung!
Voll gestopft mit den Köstlichkeiten kommt noch ein Grape (Schnaps aus Gin) oben drauf. Ich bekomme zwei und benutze den zweiten für mein pochendes Zähnchen zur Desinfektion. Hoffe das es was bringt. Schon seit Kroatien macht mir ein Backenzahn Ärger.

Wir kommen mit dem netten Ober noch ein wenig ins Gespräch und er holt dann doch noch den Schlüssel zur Kostümkammer.
Vorher erfreut uns noch die Rechnung - wir hatten uns auf ein teures Vergnügen eingestellt und bezahlen knapp 25€ für diese kulinarische Reise!
Die Kostüme sind wirklich ein Schatz - einige hundert Jahre alt und sehr gut erhalten. Viele der Kleider sind nicht mehr zu bekommen und stammen noch aus alten Beständen in den Bergen.
Nach einem herrlichen Abend strecken wir müde und satt alle Viere von uns. Alex schläft bald, ich habe die übelste Nacht in diesem Urlaub. Meine linke Gebisshälfte schmerzt trotz Ibuprofen in hohen Dosen, ich werde fast irre vor Schmerzen und mache kein Auge zu.
Nach einer schlechten Nacht und einem schnellen Kaffee machen wir uns früh auf die Reifen zur Fähre nach Komani.
Wegen dem immer stärker schmerzenden Zahn haben wir beschlossen nur "rasch" nach Valbon zu fahren und dann auf schnellstem Wege zu einem griechischen Zahnarzt zu fahren. Wer, der noch nie in Albanien war, denkt schon daran, in den Bergen hier einen Dentisten aufsuchen zu wollen?
Wir folgen der Hauptstraße Richtung Tirana, biegen nach einigen Kilometern links ab, folgen der Beschilderung nach Komani und sind bald darauf auf der kleinen Straße durch die Berge zur Fähre über den Stausee.
Bald wird der Asphalt schlechter und wir sind froh mit Enduros unterwegs zu sein.
Teilweise ohne Belag, mal trocknen Frauen Heu auf der Straße, ein paar Schafe hier und jede Menge Löcher da - volle Konzentration ist angesagt. Nach knapp 1,5 Stunden Endurovergnügen dann der lustige Abschluss.
Die letzten Meter zur Fähre müssen alle durch einen Tunnel berghoch, die Höhe der Staumauer überbrücken. Nur ist der Tunnel am Anfang zappenduster. Wir müssen eine Weile stehen bleiben um die Wände im Fernlicht ausmachen zu können. Gelegentlich bringen ein paar schwache Glühbirnen etwas Helligkeit in die Steinhöhle. Direkt nach dem Tunnel stauen sich die Autos auf dem Anleger- Uhps!
Neugierige Blicke, ein älterer Albaner fragt auf Deutsch ob wir Deutsche seien. Wir bejahen und er winkt mich zu sich. Ich soll ihm folgen. "Deutsche? Komm! Erste Klasse!" ruft er munter winkend und schickt die im Weg stehenden Autos beiseite damit wir durch kommen. Ich folge ihm, da ich davon ausgehe das er uns lediglich als erste in den Pulk bringen will. Ist ja nett!
Dann, ich komme so eben quer zum Abgrund neben einem Bus zum Stehen, sehe ich den wahren Grund: Er hat auch ein Boot und will uns als Passagiere. Doch er hat nur ein normales Boot, der Bug ist spitz und klein, ein altes Brett dient den Passagieren als Rampe. Er meint lachend das passt schon, ich solle kommen. Die Spaßkanone hat wohl keine Ahnung das unsere knapp 250 kg je Motorrad da nicht drüber passen. Lachend winke ich ab und sage wir nehmen lieber die große Fähre. Der nette Albane meint nur: "Na gut, nimmst Du große Fähre. Auf wiedersehen!", und legt bald darauf mit seinem vollen Boot ab.

Die richtige Autofähre kommt dann auch bald und das Durcheinander ist perfekt. Schließlich steht der ganze Anlegeplatz voll mit Autos und LKW. Die müssen erst einmal rückwärts in den Tunnel ausweichen damit die Fähre abladen und die Autos runter kommen. Erstaunlich rasch funktioniert dies dann auch und wir können schon nach wenigen Minuten auf die alte Fähre auffahren, bekommen einen guten Platz und verschnüren die Motos vorsichtshalber mit Spanngurten, bevor wir uns einen Platz auf dem Passagierdeck suchen. Immer weder werden wir freundlich angesprochen, gegrüßt und kommen mit einigen in Deutsch und Englisch ins Gespräch. Alle sind mehr als nett, lachen viel und finden es toll, das wir mit den Motos aus Deutschland kommen.
Bezahlen tun wir einmal 100,- Lek als Steuer und 1200,- Lek für's Ticket pro Person.
Dann beginnt die Fahrt durch eine herrliche Berglandschaft und deren Schluchten. Eine einmalige Szenerie wurde durch den Stausee geschaffen, wir sind begeistert, Alex fotografiert viel, ich döse ein wenig und komme dann und wann mit anderen Reisenden ins Gespräch. Einge sind aus dem Kosovo und natürlich fragen wir nach der Sicherheitslage dort. Alles friedlich, nur im Norden an der Grenze zu Serbien gibt es gelegentlich ein paar Spannungen. Aber wir sollen doch kommen und uns die Schönheit der Landschaft und die Gastlichkeit der Menschen dort selber ansehen.
Wenn wir nur mehr Zeit hätten...!
Nach ziemlich genau 2 Stunden legen wir in Fierze, dem Anlegepunkt an. Dann stauben wir knapp 2 km auf Erdpiste bis wir die geteerte Hauptstraße erreichen und Richtung Bajram Curi knattern.

Schon bald kommen wir nach Bujan, ein kleines Dorf knapp 5 km vor der Stadt. Ein einfaches, aber sehr gemütliches Restaurant ( N42.3280133 E20.0783867 ) lädt zum Verweilen ein und beschert uns ein neues, mehr als beeindruckendes Erlebnis, ein besonderer Abschnitt unseres Urlaubs beginnt...
Wir gönnen uns einen Salat, Pommes und etwas Feta, das Essen ist dem griechischen sehr ähnlich, der Kaffee immer ein türkischer und schmeckt fantastisch.
Der Wirt sieht, das ich rauche und legt seinen Tabak zum Probieren an unseren Tisch. Als Gegenleistung bringe ich ihm meinen und probiere von seinem trockenem Kraut. Dann bringe ich ihm seinen Tabak wieder und er uns unseren. Diese nette Geste wird uns auf unserer Reise durch Albanien noch öfters begegnen - eine nette Aufmerksamkeit.
Wir fragen die Tochter des Wirts nach der Möglichkeit einer privaten Unterkunft. Sie meint hier gäbe es nichts, aber in Bajram Curi sei ein Hotel. Naja, eine kleine private Pension wäre uns lieber als der alte Bau im uns wohl bekannten Sowjetstil.
Sie geht zu ihrem Vater und als wir gehen wollen und 200 Lek für alles bezahlt haben lädt sie uns ein in ihrem Hause Gäste zu sein. Ein tolles Angebot, wir nehmen dankend an.
Die Motos fahren wir die Einfahrt zum Restaurant hoch, ein Feldweg bringt uns zum Haus der Familie und wir parken im Garten.
Auf der Veranda des einfachen aber sehr schönen Steinhauses begrüßen uns ein Handvoll Frauen und Mädels - alles Familienmitglieder. Sofort bekommen wir ein Zimmer mit Doppelbett zu gewiesen, da wir auf die Frage ob wir verheiratet seien natürlich mit Ja antworten. Wir brauchen doch nur einen Platz für unsere Isomatten, - aber wir haben keine Chance, das Zimmer ist unseres.

Diese grenzenlose Gastfreundschaft wird uns in den nächsten zwei Tagen nicht mehr verlassen.
Wir bekommen gleich zu Essen - Salate, Hähnchen, Feta, Wein. Alles ist aus eigenem Anbau und mehr als köstlich. Der restliche Tag und Abend wird sehr nett, wir bekommen alle Familienmitglieder vorgestellt - es sind eigentlich vier Familien, die so ziemliche das ganze Dorf bilden und alle verwandt sind. Eine herzliche Atmosphäre, die uns nicht mehr verlassen wird und immer wieder die Angebote zum Essen und was wir sonst so bräuchten.
Gut gesättigt gehen wir alle zusammen noch zum "Beach" am Fluss wo wir an einer Bar unter einem großen Felsvorsprung vorbei kommen. Auch diese gehört der Familie des Wirts, der auch noch Polizist in Bajram Curi ist.
Da ihm unser Tabak anscheinend gut schmeckt schenken wir ihm ein Päckchen aus meinem Vorrat, worüber er sich sehr freut und mit der typischen Geste Hand aufs Herz bedankt.
Als es dunkel wird gehen wir wieder ins Haus, essen erneut und die Mädels meinen sie tanzen hier jeden Abend, was sie dann auch tun. Alex macht mit, ich kann mich noch rausreden.
Wo sind wir da nur wieder gelandet...? Wir können unser Glück kaum fassen, dieser Urlaub verläuft mehr wie unsere Weltreise als wie ein normaler Urlaub - Danke!
Heute morgen bin ich aufgewacht und die linke obere Backe schmerzt bei der kleinsten Berührung - so kann es nicht weitergehen. Wir fragen die Mädels ob es hier einen guten Dentisten gibt, der mir den Zahn ziehen kann. Sie meinen Ja, diskutieren dennoch einige Zeit. Das macht uns skeptisch und wir fragen mehrmals nach. Schließlich sind sich alle einig - ska problem, in Bajram Curi wissen sie einen guten Dentisten. Also gut, Alex richte die MuZ um zu zweit dorthin zu fahren. So ein Quatsch, wir können doch auch ein Taxi nehmen, schlägt Valuta vor. Na klar, daran haben wir ja gar nicht gedacht. Sie bietet an mitzufahren und schon ein paar Minuten später sitzen wir im Taxi und erreichen bald drauf die Stadt.
Bajram Curi liegt in einer traumhaften Berglandschaft, ist nicht besonders reizvoll, aber einigermaßen ansehnlich mit Leben gefüllt. Auf dem Weg dorthin passieren wir eine Müllkippe entlang der Straße, eine Kuh frisst im Unrat, ein Mann sucht nach Verwertbarem.
In der Stadt angekommen will Valuta das Taxi bezahlen und es gelingt uns nur mit Mühe die 200 Lek selber zu bezahlen.
Auf dem Weg zum Dentisten passieren wir eine Wohngegend die schwer an Russland erinnert - Wohnblocks im Sowjetstil, Wege mit Löchern und ohne Asphalt, Müll, dazwischen moderne Läden, alte Geschäfte und junge, moderne Menschen. Ein Anblick den wir kennen.
Der Zahnarzt hat seine Praxis in einem Haus im EG, die Türe steht offen, einen Wartesaal gibt es nicht, Passanten können bei der Behandlung zusehen. Die Geräte sind alt aber funktionieren, Instrumente kommen aus dem kleinen Autoklaven, der sympathische Zahnarzt spricht recht ordentlich Französisch und ein Junge bekommt gerade eine Wurzelbehandlung. Er ist ruhig und hat keine Schmerzen, was mich ein wenig beruhigt.
Der nette Dentist ist zu Späßen aufgelegt und meint lapidar: „1939 habt ihr Deutschen Albanien besetzt, jetzt kann ich mich bei Dir revanchieren.“
Aber ich solle keine Angst haben. Ich gebe zu davon doch ein wenig zu verspüren, er lächelt nur aufmunternd.
Als der Junge fertig ist bittet er mich auf dem alten Stuhl Platz zu nehmen. Alex beobachtet ihn sorgfältig und stellt beruhigt fest, das er die wichtigsten Hygieneregeln einhält und sich auch gründlich die Hände wäscht und desinfiziert, bevor er mir die erste von 2 Spritzen verpasst. Dies macht er sehr gut und vorsichtig, macht nebenbei eine Bestandsaufnahme und meint meine Zähne seien gar nicht so schlecht.
Bevor er loslegen will, testet er erneut meine Schmerzempfindlichkeit und spritzt ohne Diskussion nochmals nach, massiert die Anästhesie gut ein und wartet geduldig bis sie voll wirkt.
Währenddessen zeigt er Alex seine Familienfotos auf dem Handy und erzählt ein wenig aus seinem Leben. Französisch hat er sich aus Büchern selber beigebracht - Respekt!
Dann ist es so weit - die Zange in der Hand rückt er dem Plagegeist zu Leibe und nach einer mittleren Reißerei macht es endlich krach und die Sau ist draußen. Ich fühle eine unglaubliche Erleichterung, die Narkose lähmt mein komplettes linkes Gesicht, Schmerzen habe ich keine. Ich bedanke mich und wir bezahlen unglaubliche 200 Lek! Einen 5€-Schein lehnt er vehement ab, stellt mir noch ein Rezept und wünscht noch einen guten Aufenthalt in Albanien.
In der nahen Apotheke kaufen wir die Medis, nehmen noch eine Packung 400er Ibu dazu und zahlen knapp 10€. Eis besorgen wir aus einer Bar damit ich die extrem dicke Backe rasch kühlen kann und fahren mit dem selben Taxi wieder zurück.
Ziemlich ko nehme ich die erste Ladung Medis und darf mich auch gleich ins Bett verziehen wo ich die erste Anstrengung ausschlafe.
An Essen ist erst einmal nicht zu denken, aber mir ist auch eher nach Schlafen zu Mute, was ich den restliche Tag auch ausgiebig und immer wieder tue.

Am Abend gehen wir alle zusammen nochmals zum "Beach", ich kühle immer wieder mit Eis und kalten Steinen, ernte mitleidige Blicke und werde ständig gefragt ob alles ok ist. Die Backe ist ein ordentliches Ei, aber es ist herrlich zu wissen, das bald wieder alles ok ist. Das Anstrengendste ist das ständige Lachen.
Ich bin begeistert von dem Dentisten - in Zukunft gehe ich nur noch zu ihm! ;D
Gegen Abend kann ich dann wenigstens mal eine Banane essen, Suppe löffeln und nach knapp 8(!) Stunden taut die Backe langsam wieder auf.
Die Schmerzen sind, gegen die Zahnschmerzen, gut erträglich, die Medis machen aber müde und so verkrieche ich mich bald nach dem letzten Abendessen (sogar ein Hähnchnenschlegel passt wieder rein!) wieder ins Bett. Morgen wollen wir wieder weiterfahren, auch wenn's schwer fällt diese tolle Familie zu verlassen.

Ein langer Fahrtag von den beschaulichen Bergen in den Tourismus der Küste mit wieder einer Geschichte...
Wir schaffen es gegen 9:30 loszufahren, der Abschied fällt schwer, drum machen wir ihn so schnell wie möglich. Mit einem köstlichen Lunchpaket versorgt nehmen wir Kurs auf die Straße über die Berge.
Schon kurz nach dem ersten Anstieg heisst es aufstehen - Schotter und Staubpiste lassen uns zwar ordentlich schwitzen, aber auch die Enduroherzen höher schlagen! Noch ist das Ganze eine riesige Baustelle, die Straße wird wohl bis in ein - zwei Jahren durchgehend asphaltiert sein.
Wir haben jedoch noch das Vergnügen unzählige Serpentinen hoch zu stauben, fantastische Ausblicke zu genießen und uns über den Asphalt, der uns nach einigen Kilometern wieder erwartet zu freuen.

Damit die Freude über den neuen Asphalt nicht zu groß wird, wechselt der Belag bald zwischen Schmuseteer und alter Löcherpiste (aber immer Asphalt). Wir kommen nur langsam voran und machen, nachdem wir die höchsten Berge hinter uns haben, an einem Restaurant eine kleine Pause.
Natürlich werden wir wieder angesprochen - diesmal von einem Hotelbesitzer und seinen Söhnen im nagelneuen Mercedes SUV. Nach wenigen Minuten bietet er uns an in seinem Hotel in Durrës übernachten zu können. Ob er nun heute abend oder beim nächsten Mal meint ist nicht ganz klar, aber wir versuchen einfach mal bis Durrës zu kommen.
Jedenfalls düsen wir bald wieder weiter, nehmen die nächsten Berge in Angriff und fahren nun südlich, oberhalb der Stauseen des Drin dahin. Vor drei Tagen sind wir unterndran zur Fähre gestaubt. Die Abzweigung nach Komani passieren wir und landen wieder auf der Straße an Shkodër vorbei Richtung Tirana.
Eh wir uns versehen sind wir in der sau-heißen Tiefebene und auf der Autobahn SH1 - Autobahn zumindest laut Schild.
Immerhin ist das Tempolimit nicht mehr bei 60 km/h sondern 90 km/h, die Straße vierspurig und, meist, ein Standstreifen vorhanden. Ansonsten gibt's aber auch Eselskarren, Verkaufsstände, Radarkontrollen und Fußgänger hier. Wobei die Radarkontrollen dank der gelben Warnwesten der Beamten noch am besten auszumachen sind.
Laut Karte sollten wir um Durrës herumfahren, landen aber direkt im dichtesten Stadtgewühl der von Touris vollkommen überfüllten Stadt am Meer. Wir versuchen das Hotel in Golem zu finden, scheitern aber und fragen, nachdem wir von der, nun wieder zweispurigen Hauptstraße abgebogen sind, einen Albanen. Der kann mit der Adresse auf der Visitenkarte nix anfangen und fragt einen vorbeikommenden Autofahrer. Der kennt's auch nicht und als er merkt, das wir des Albanischen nicht mächtig sind, fährt er uns voraus.

Wir müssen wieder auf die verstopfte Hauptstraße und links abbiegen. Dies will der im Gewühl winkende Verkehrspolizist aber nicht zulassen. Damit ist unser Guide wiederum nicht einverstanden und gibt ihm wild gestikulierend zu verstehen, das er uns Touris jetzt nach links bringen wird. Der Polizist resigniert, stoppt den Verkehr und lotst uns durch. Eine lustige Szene!
Wir landen schließlich in Golem, eine Touristadt am Meer. Doch das Hotel kennt hier niemand. Also telefoniert unser Guide kurzerhand mit jemanden vom Hotel, die Nummer haben wir ja auf der VCard. Er meint in wenigen Minuten käme jemand und bringt uns zum Hotel.
Es gesellen sich zwei weitere Albaner dazu, einer hat einen Getränkestand und spendiert zwei Coke, ein anderer ist Kosovare.
Nach einer knappen halben Stunde kommt ein fast zahnloser, älterer Albaner auf einem klapprigen Fahrrad und bringt uns lachend zum nahen Hotel.
Wir erwarten, laut VCard, ein nobles Hotel, finden aber ein noch nicht fertigen Betonkübel vor, versteckt im dunklen Pinienwald. Hmm, wirkt nicht unbedingt einladend, aber es dämmert bereits und wir sind ziemlich ko von einem anstrengenden Fahrtag.
Der Fahrradfahrer scheint der Portier zu sein und wir machen ihm, mit Hilfe einer auftauchenden Blondine, die Englisch spricht klar, warum wir hier sind und das der Boss uns eingeladen hat.
Der Portier ruft den Boss an und reicht uns das Handy. Der Boss fragt ob wir ein Zimmer wollen oder unser Zelt neben das Hotel stellen wollen. Naja, Zimmer wär' schon nett. Ok, aber wir sollten Bettwäsche oder Penntüten mitnehmen, da die Betten noch nicht bezogen seien. Gut, wir bekommen ein Zimmer und die Motos stünden in dem offen Parkplatz sicher, so wird uns mehrfach versichert.
Also nehmen wir das Nötigste mit und folgen dem Portier in ein leeres Zimmer mit zwei Betten wo noch eingepackte Matratzen drauf liegen. Stolz zeigt er uns die Fliegengitter, dreht das Wasser an und meint wir sollen in die Bar am Strand zum Trinken und Essen.
Also folgen wir ihm wieder, knapp 100m zum Beach wo aus großen Bunkern eine Bar eingerichtet ist. Dort arbeitet ein Junge, der gut Englisch kann. Nach einem weiteren Telefonat meint er der Big Boss zahle alles, wir sollten Essen und Trinken, während der Portier abzieht und die Zimmer vorbereiten will (was es dort vorzubereiten gibt wird uns ein ewiges Rätsel bleiben). Bis dahin trinken wir Kaffee, Wasser und Coke - alles vom Big Boss.
Das ist auch gut, da wir nur noch wenige Lek im Geldbeutel haben. Essen gibt es dann endlich als der Portier nach einer ganzen Weile, es ist bereits dunkel, wieder kommt und in seiner Imbissbude aus alten Wohnwägen etwas bruzelt.
Leicht angebranntes Lamm, Pommes, Salat, Brot und Tzatziki und - Nanu! - dezent eine kleine Rechnung über 1500 Lek. Hmm, Schlitzohr! Na gut, wir sind ja nicht geizig und bieten ihm dafür 15€ an, was für ihn dann auch ok ist.
Nach einer ganzen Weile können wir dann endlich ins Bett - wir sind hundemüde von der langen Fahrt in der Hitze und trotz heftigem Bumm Bumm von den Stranddiscos und einigen Mücken (die Fliegengitter scheinen dazu da zu sein, die Mücken einzusperren, statt draußen zu halten) duschen wir noch rasch und schlafen bald darauf ein.
Griechenland
Benzin: 95 Okt. um die 1,18€ (starke Schwankungen!)
Route: E853 Kalpáki - E92 Ioánnina - E90- E92 Metsóvo - Katára - Panagía – Kalambáka – Tríkala – Larisa – Volos – Argalasti – Milina – Ag. Kiriakí – Trikeri – Makriárchi - Horeftó – Potistiká – Tríkeri – Vólos A1 – Lamía – E65 Amfissa – Itéa - Andíro – Río – Patras, Hafen
Mehr oder weniger ausgeschlafen weckt uns Palmienchen am Morgen und wir packen unsere sieben Sachen, trinken noch einen Café an der Strandbar, lassen unsere letzten Lek dort und schwitzen uns wieder weiter Richtung Süden über die Autobahn.
Der Süden Albaniens den wir auf unserem Weg nach Griechneland durchfahren wird zunehmend dreckiger, karger und stinkiger. Die Autobahn verlassen wir Richtung Tepelenë / Gjirokastër und auf schlechtem Asphalt und vielen Kurven knattern wir weiter.
An einer Tankstelle machen wir einen kurzen Stopp. Es stinkt unsäglich nach Sprit - nach der nächsten Kurve wissen wir auch woher. Es lag nicht an der Tanke - ein kleiner See ist umgeben von verrostetenTanks und ein dicker Ölfilm schimmert in der brütenden Sonne auf dem was mal Wasser war. Ekelhaft!!!
Bäume sind selten, kahle Hügel, verbranntes Gras und viel Müll. Wir sehnen uns in die (fast) heile Welt der Berge im Norden zurück.
Die Mittagssonne brennt unerbitterlich auf die Helme, Fahrtwind kommt nicht wirklich auf, wir sehnen uns nach ein wenig Schatten für eine kleine Stärkung. Eine geschlossene Metzgerei bietet neben einem Rastplatz mit ein wenig Schatten auch kaltes Wasser aus dem Schlauch - eine willkommene Dusche in der sengenden Hitze!

Der Weg zieht sich, schlechter Asphalt und viele Kurven lassen den Kilometerzähler nur langsam klettern. Die Orte die wir passieren sprühen nicht unbedingt vor Charme, zumindest entlang der Hauptstraße.
Dann endlich kommt die ersehnte Grenze nach Griechenland.
Der Grenzübertritt ist rasch und problemlos. Ein netter griechischer Grenzer winkt uns an der Schlange einreisender Albanen vorbei in den Schatten und nach ein wenig Smalltalk dürfen wir auch an der Passkontrolle vor.
Wir folgen der breit ausgebauten Europastraße, die Landschaft ist schlagartig grün, Bäume überwuchern die Berge, Vögel singen, Wasser rauscht, die Luft duftet wieder.
Am ersten Café mit Tanke stoppen wir und gönnen uns die ersten Frappés und Souvlákia - nóstimo!
Frisch gestärkt, um eine Stunde "beraubt" und guter Dinge nehmen wir den Endspurt nach Kalambáka in Angriff. An Ioánnina vorbei zum Katára-Pass. Wir erkennen die Strecke nicht wieder - alles neu und zum krönenden Abschluss noch mehrere Tunnel und eine neue Autobahn zum Pass. Noch hört der Tunnel bei Metsóvo auf doch schon bald wird er durch den Berg bis Panagía weitergehen.
Im Tunnel ist's angenehm kühl, wir kommen rasch vorwärts und passieren den Pass wieder auf der alten Straße.
Die Abfahrt läuft ebenfalls gut, die kurvige Straße ist frei und nach knapp 3,5 Std. seit der Rast an der Grenze erreichen wir nach 375 km den Campingplatz Meteóra Garden (N39.7087783 E21.6101267).
Schnell steht das Zelt und wir sitzen, bereits in der Dämmerung bei Moussáka und Bier im Restaurant des Campingplatzes.
Unsere Nachbarn sind ebenfalls Biker. Maike und Markus sind mit ihrerTransalp unterwegs und da sie durch Albanien zurück wollen tauschen wir noch gemütlich bei einem Weinchen Neuigkeiten, Strecken und die ein und andere Geschichte aus, bevor wir hundemüde ins Bett fallen.
Die flache Ebene zwischen Kalambáka und Volos ist zwar noch immer nicht besonders reizvoll, jedoch drch intensivere Bewässerung mittlerweile etwas grüner. Nach einigen Kilometern landen wir auf der weiter ausgebauten Autobahn A1 Richtung Lamia die uns je 1,80€ Maut kostet und uns nach Volos führt. Donnerwetter wir kommen so schnell vorwärts, das wir den Pilio in aller Ruhe angehen können.

Routiniert durchqueren die verstopfte Stadt ;) wo der Asphalt noch immer glatt ist und glänzt. Noch ein Tiróppita beim Bäcker und weiter geht's in dichtem Verkehr, der erst ein paar Kilometer vor der Kreuzung nach Argalasti nachlässt.
Noch ein Frappéstopp in Milína und Endspurt! Nach Kiriaki nehmen wir die neue Straße welche vor Trikeri links abzweigt. Ha, als wir 2005 da waren sind wir dort noch auf gröbstem Schotter hoch und wieder runter. Nun zieht sich ein ebenes Asphaltband mit herrlichen Ausblicken hinunter bis nach Ag. Kiriaki. Der Platz wo wir früher einmal gezeltet haben ist ebenfalls neu gemacht und nun ein Parkplatz mit Laternen und Mäuerchen.
Nur die Ortsdurchfahrt ist noch die alte.
Eine Woche haben wir nun Zeit die Seele baumeln zu lassen - die Anreise war mehr als schön, aber auch ein wenig anstrengend.
Die Motorräder bekommen ihren Stammplatz bei den anderen Bikes auf der Platía ( N39.1002883 E23.0769783 ), wir kommen in Hermanns kleinem Traumhaus mit Blick auf den Golf von Volos unter - Dankeschön Hermann!
Seit Kroatien schon höre ich Klackergeräusche aus dem Bereich Ventile, Nockenwelle. Nun habe ich Zeit um in Ruhe die Ventile zu überprüfen und die Papoús (alte Herren) auf der Platía mal wieder was zu Gucken. Unter interessierten Blicken und der ein und anderen Frage gehe ich ans Werk.
Mit dem Ergebnis das die Dicke wohl ein Problem mit der Nockenwelle haben muss. Das Ventilspiel ist - wie immer - in Ordnung, die Geräusche werden nicht besser.
Um größeren Schaden und Ärger zu nutze ich den ADAC. Mit einem Anruf wird alles geklärt, die Dicke wenige Stunden später huckepack nach Volos gebracht und in einer kleinen Honda-Werkstatt durchgecheckt.
In der Zwischenzeit machen wir uns zu zweit mit der MuZ auf den Weg nach Horeftó um Ines zu besuchen.
Alex muss sich recht unbequem zusammenfalten, da die MuZ wegen der Koffer nur noch eine Soziusfußraste hat. Ich hab die Ehre die MuZ fahren zu dürfen - die macht richtig Spaß, hat ordentlich Biss und die Strecke auf der Ostseite des Nordpilio ist ebenfalls eine Freude! Eine Kurve jagt die nächste, ordentlicher Asphalt und herrliche Ausblicke. Nur Alex muss in jeder Linkskurve ordentlich arbeiten und das Bein anheben - ein Muskelkater im Oberschenkel wird folgen...
Die Landschaft ist noch schwer von den letzten großen Bränden 2007 gezeichnet und wesentlich kahler als wir sie in Erinnerung haben. Ganz im Norden wurde der Wald jedoch verschont und strahlt, wie gewohnt in sattem Grün.
In Makriarchi biegen wir von der Hauptstraße rechts ab und steile Serpentinen bringen uns runter ans Meer nach Horefto.

Ines hat bereits Pause - wir finden sie am Strand, der mit Sonnenliegen, Bars und Schirmchen sehr touristisch ist. Nicht unbedingt unser bevorzugtes Revier, doch sie hat Bekannte in der Bar, somit sind die Liegen und ein Schirmchen für uns kostenlos (eigentlich 5€ am Tag). Getränke bringt ebenfalls ein Bekannter, der per Funk in der Bar oberhalb des Strandes bestellt. Bier kommt im Metalleimer mit Eiswasser. Normalerweise sind solche Strände so gar nicht unsere Abteilung, aber so ist's auch mal nett.
Noch während wir eiskaltes Heineken und Frappé unter'm Sonnenschirm genießen kommt eine sms vom ADAC: Die Dicke ist fertig! Ich kann sie morgen abholen.
Alles klar, die Steuerkette wurde gewechselt, die Nockenwelle ist angekratzt und sollte in D gemacht werden - daher das klackernde Geräusch also. Allerdings wird mir versichert ich könne unbesorgt den Urlaub beenden und nach Hause fahren.
Wieder komplett verabschieden wir uns wieder von Ines und ziehen weiter nach Potistika, wieder nach Süden.
Die Fahrt auf den engen, kurvigen Straßen macht Laune. Ich sause voraus und warte ab und an auf Alex, die ebenfalls froh ist das ich wieder auf der Dicken fahre. Schließlich hat sie Muskelkater von der gestrigen Soziusfahrt.
Am Himmel baut sich eine bedrohliche Wolkenwand auf, während wir in Manollis Fisch-Taverne unseren letzten Abend genießen. Die Einheimischen halten es schon für einen Bouríni und bringen ihre Boote auf die geschützte Seite des Hafens. Doch das Wetter in Ag. Kiriaki ist unentschlossen, dümpelt so vor sich hin.
In der Nacht entsccheidet es sich dann - für ein ausgewachsenes Unwetter von 24 Stunden.
Als wir aufwachen donnert und blitzt es noch immer gewaltig. Wieder und wieder kommt das Unwetter zurück. Die TV-Nachrichten berichten über Überschwemmungen in Volos und Athen.
Wir verspüren keine besondere Lust bei diesem Regen die Fahrt nach Igoumenitsa anzutreten und buchen die Fähre telefonisch um auf Patras. Kein Problem, wir sollen uns nur im Hafen bei Minoan melden bevor wir an Bord gehen. Na prima - eigentlich hätte es nicht besser kommen können. Statt in 2 Tagen die doch recht öde Strecke bis Igoumenitsa zu fahren haben wir nun die schöne Fahrt nach Patras vor uns. Außerdem legt die Fähre dort um 24:00 ab, was uns eine Nacht im Hotel in Igoumenitsa erspart.
Alex hat heute morgen gesagt um 17:00 kommt die Sonne raus. Nicht zu fassen, aber kurz nach 17:00 kommt sie tatsächlich durch die aufreißende Wolkendecke gelugt!

Der Himmel ist wieder sternenklar als wir uns ins Bett verkriechen - prima Aussichten für morgen! Efcharisito!
Am endgültig letzten Morgen hat sich gerade ein letztes Gewitter verzogen als wir aufwachen. Letzte Wolkenschleier lösen sich inn der Morgensonne nach und nach auf, der Himmel Richtung Norden ist noch grau. Wir hoffen sehr das die Straßen in Volos abtrocknen bis wir dort ankommen.
Die Straßen auf dem Pilio sind gezeichnet von dem schweren Unwetter - überall Spuren von Überschwemmungen, Geröll, Sand und Dreckspuren kreuzen den Asphalt.
Wir erreichen Volos nach knapp 1 1/2 Std., die Straßen sind trocken, die Sonne scheint, der Verkehr ist wie gewohnt dicht. Dann zeigt sich auch bald warum Alex die ganze Zeit so ein ungutes Gefühl bzgl. Volos hatte: Erst greift die Kupplung der MuZ nicht mehr, ich stelle die gelockerten Schrauben am unteren Einstellmechanismus nach. Doch schon nach wenigen Metern geht wieder nichts mehr - der Kupplungszug ist gerissen. Das im dichten Gewühl! Also nix wie die Motos auf den Gehweg, eine umherschleichende Politesse ist sehr nett und meint nur es sei kein Problem wenn wir auf dem Gehweg stehen und bietet uns auch gleich Hilfe an.
Mit dem Bowdenzugreperaturkit, das ich schon einmal um die Welt gefahren habe und eigentlich nur noch zufällig in der Tanktasche ist, ist der Zug in knapp 1 Std. geflickt und die MuZ wieder fahrtauglich. Puh!
Also wieder ins Gewühl, Alex' Gefühl ist gut und wir erreichen ohne Probleme die Straße Richtung Athen.
Die wird dann auch bald zur Autobahn A1, wir bezahlen irgendwo vor Lamia 1,30€ Maut pro Moto und biegen später ab Richtung Ámfissa, in die wunderschönen Berge auf Sausestrecke.
Die fällige Mittagspause wollen wir in einer nette Taverne in den Bergen machen. Nur ist da keine... Wir sausen und knattern, die Motos rennen, die Dicke wie eine Junge und macht richtig Spaß!
Bis wir eine Rastmöglichkeit finden sind wir wieder am Meer und bereits nur noch knapp 100km von Andirio entfernt.
In Ag. Pantes (N38.3561083 E22.2982733) laden wir unsere Akkus wieder auf bevor wir gegen 16:45 den Endspurt antreten.

Die Straße ist mal wieder ganz anders als 2005 - statt durch die Städte, sausen wir oberhalb an allem vorbei und landen ratz fatz in Andirio wo wir die riesige Hängebrücke auf den Pelepones nehmen. Diese ist mit 1,80 pro Moto für uns überraschend günstig und
eh wir uns versehen landen wir im Hafengebiet von Patras ( N38.2495800 E21.7336917 ).
Das Umbuchen von Igoumenitsa auf Patras war kein Problem und kostet tatsächlich das Gleiche - ha, von nun an nur noch diese Route!
Gegen 22:00 dürfen wir dann auf die Pasiphale Palace, und suchen uns auch gleich ein Plätzchen auf Deck.
Auf Deck 6 werden wir fündig und richten uns ein - draußen, aber überdacht und halbwegs ruhig (wenn man von dem Megaphon absieht, welches uns direkt über die Köpfe dröhnt).
Ein kleines Vesper, natürlich ein kaltes Bier - Becks für satte 4€! - und später einen großen Tzipouro (Eis und Becher gibt's kostenlos an der Bar) runden diesen schönen Abreisetag ab.
Endspurt – 9 Stunden Schweiz...
Strecke: Autostrada: Venedig - Padova - Verona - Brescia - Milano - Como - Chiasso - Landstraße CH: N2 Chiasso - Lugano - Bellinzona – Biasca – S. Gottardo – Altdorf – Brunnen – Küssnacht – Luzern – Rothenburg – Beromünster – N23 Reinach – Aarau – N24 Frick – N4 Bad Säckingen – Rheinfelden – Lörrach A98 – A5 Freiburg
Nachdem wir nach einiger Wartezeit endlich an unsere Motos drankommen, sind diese rasch beladen und bereit zur Abfahrt. Die Sonne brennt schwül heiß vom diesigen Himmel über Venedig. Bereits bevor die Autostrada richtig beginnt erwischt uns ein ordentlicher Wolkenbruch. Die Regenklamotten bekommen wir gerade noch angezogen, dann sammelt sich auch schon das Wasser auf der Fahrbahn. Ein paar Zentimeter hoch steht der Regen auf dem Asphalt, es spritzt wie bei einer Bachdurchquerung. Vorsichtig tasten wir uns durch die Fluten. Nach wenigen Kilometer hört der Regen glücklicherweise wieder auf, wir legen die Regensachen ab, da es mit Sonne sofort wieder knallig wird.
Die Autobahnfahrt ist recht ok, wir kommen ganz gut vorwärts.
Vor der Grenze in Chiasso verlassen wir die Autobahn und fahren über Landstraße in die CH und weiter Richtung Biasca, wo wir uns auf Daniel freuen.
Doch erst einmal raus aus den warmen Regensachen, die wir auf den Rat eines englischen Bikers einige Kilometer vor der Grenze wieder angelegt hatten, um sie einige Kilometer weiter wieder anzuziehen. Das Wechselspielchen machen wir noch einmal bevor wir endgültig im Regen weiterfahren.
In Biasca nimmt uns Daniel mal wieder herzlich auf - Danke!
Auf den Regen konnten wir uns ja bereits gestern einstellen - so ziehen wir gleich zu Beginn unserer letzten Etappe die volle Regenmontur an und werden sie auch erst in Freiburg wieder ausziehen...
Die Fahrt über den St. Gottardo wird auch gleich der unangenehmste Teil der langen Reise durch die Schweiz. Mit dickem Nebel und Dauersprühregen bei max. 10C und Sichtweiten von wenigen Metern tuckern wir bald nach Beginn des Passes durch die nasse Suppe.
Mit 40 km/h, unter der Kluft trocken aber kalt überwinden wir den Pass und stoppen, bei aufklarender Sicht im ersten Gasthaus nach dem Pass. Die Wirtin sieht's mit grummeligen Augen als wir tropfnassen Vermummten ihr kleines Restaurant betreten und auch gleich eine Pfütze im Eingang hinterlassen. Wenigstens bekommen wir einen warmen Kaffee und können uns etwas aufwärmen bevor wir rasch zusehen ins Tal zukommen. Einige Radfahrer und eine Postkutsche kommen uns entgegen - die spinnen die Touris!
Endlich im Tal angekommen wird es auch bald etwas wärmer, nur der Regen lässt uns einfach nicht im Stich.
Wir folgen immer der N2 bis Luzern und biegen dann ab über die Dörfer pbis nach Bad Säckingen. Noch ein paar Kilometer Bundesstraße und ab auf die Autobahn nach Hause! Doch auf der Autobahn herrscht Sprühnebel der LKWs, jedes Überholen wird zum nassen Blindflug.
Mit nassen Klamotten aber trockener Haut erreichen wir nach knapp 9 Stunden unser Zuhause - fix und alle und glücklich!
Carsten & Alex