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 | Samara - Berdsk / km 8549 - 10993 |
 Nun haben wir endlich wieder ein
Internetcafe gefunden und nutzen die Gelegenheit auch gleich fuer den
versprochenen Reisebericht und die ersten Bilder aus Russland - im
Fotoalbum gibt's jetzt wieder etwas zu Sehen! Nach dem Aufenthalt in
'Samara' begeben wir uns wieder auf die M5 Richtung "Cel'Abinsk".
Wir
erreichen bald die suedlichen Auslaeufer des Ural-Gebirges mit wunderschoener
Landschaft und guten Strassen. Es wird deutlich kuehler und ab und an zieht
auch ein Regenschauer vorbei. Wir fahren bis in die Naehe von Cel'Abinsk und
als es wieder anfaengt heftig zu regnen, suchen wir an einer Tanke und Raststaette
Unterschlupf. Zwei Maenner in Militaeruniform und MG halten hier Wache.
Als wir unser Zelt hinter dem Rasthaus aufbauen wollen, laedt uns einer der
beiden, Vladimir, ein, bei ihm zu hause zu uebernachten. Er muss zwar heute
nacht arbeiten, aber nachdem er mit seiner Frau Vera telefoniert hat, folgen
wir der Einladung gerne. Ein Auto faehrt uns voraus zu dem ca. 6 km entfernten
Dorf "Trupni", wo Vladimir, Vera und ihr juengster Sohn Ivan (17J.)
wohnen.

Sie haben
einen grossen schoenen Garten und sind gerade dabei, ihr Haus zu renovieren. Es
wird bestimmt mal sehr schoen, wenn es fertig ist. Wir werden von Vera sehr
herzlich empfangen und auch gleich mit einer leckeren Bortsch-Suppe verkoestigt.
Danach duerfen wir in die Banja:
ein kleines Steinhaeuschen neben dem Wohnhaus - ein heisser Steinofen erhitzt
Wasser, welches man ueber ein Rohr in eine Schuessel laufen laesst. 2 Bottiche
kaltes Wasser um sich abzukuehlen und zum Waschen - mit einer Kelle wird
aetherisches Oel in den Ofen geschuettet und mit einem Buendel nasser
Birkenzweige wird die Durchblutung durch leichtes Schlagen auf den Ruecken
angeregt. Zum Ruhen legt man sich auf treppenartig angelegte Holzbretter.
Einfach himmlisch! Wellness pur!! Zumal es draussen bitterkalt geworden ist und
heftig regnet - die Tempereatur sinkt auf unter 8 Grad C. Was fuer ein Glueck!
Danach bereitet Vera uns einen speziellen Kraeutertee zu, den man nach der
Banja trinkt und dazu gibt's lecker suesse Teilchen.
Um 23.00 ist es trotz Regen immer noch nicht dunkel. Von Mai bis Mitte Juni
wird es hier gar nie richtig Nacht - so weit weg von Deutschland sind wir
schon. Hier sind wir Deutschland 4 Stunden voraus.
Am anderen Morgen ist Vladimir von der Nachtschicht zurueck, wir fruestuecken
gemeinsam und dann holt er sein "Bajan" (akkordeonaehnliches, russ.
Instrument) heraus und spielt und singt uns russ. Folklore vor. Die beiden sind
unglaublich nett. Eigentlich wollten wir heute weiterfahren, doch Vera beschliesst
kurzerhand, dass wir noch einen Tag bleiben, zumal das Wetter richtig uebel
ist.
Den ganzen Tag werden wir mit Leckereien verwoehnt, bis wir fast platzen!
Obwohl die beiden nur Russisch sprechen verstehen wir uns prima: mit Haenden,
Fuessen und russischem Lernbuch.
Abends kommt die 21 jaehrige Tochter Slaviana mit ihrem Verlobten zu BEsuch. Es
gibt noch mehr lecker Essen und danach wieder eine gepflegte Banja - besser als
Gott in Frankreich ;-))
Slaviana studiert Deutsch und Englisch auf Lehramt und so koennen wir uns prima
unterhalten. Der Abend wird sehr nett, lustig und lang...
Vladimir holt wieder eines seiner vier Bajane heraus und spielt und singt vom
Ententanz, Abba, Beatles bis zur russ. Folklore einfach alles. Auch ein selbst
komponierter Marsch ist dabei - beim Militaer war es ihm zu langweilig immer
nur zum selben Lied zu marschieren und so hat er sich einfach selbst eines
ausgedacht. Dann wollen sie noch ein dtsch. Volkslied hoeren und Alex gibt "Oh
Elzach mein" zum Besten - sie ist froh, das wir alle, bis auf Vladimir
und Vera, draussen sind...

Als wir
Vladimir in seinem Tarnanzug mit MG getroffen haben, haetten wir es niemals
fuer moeglich gehalten, dass er abends so mit uns am Tisch sitzt und allerbeste
Alleinunterhalter-Qualitaeten zeigt!
Obwohl wir anderntags erneut zum Bleiben gebeten werden, packen wir leider
zusammen und m,achen uns wieder auf den Weg. Russland ist so riesengross und
zum einen wollen wir Tommy & Rosa wieder treffen und zum anderen auch noch
genuegend Zeit fuer die MOngolei haben. Der Abschied am 30.05.05 faellt sehr
schwer, trotz der kurzen Zeit, haben wir einander sehr ins Herz geschlossen.
Wir werden jedoch eingeladen und mit Adressen und Telefonnummern versorgt,
Vladimirs Schwester in "Nachodka" ( 200km noerdl. Vladivostock ) zu
besuchen - es gibt dort auch eine Banja...
Carsten bekommt von Vladimir zum Abschied noch eine alte Militaermuetze
geschenkt, welche hervorragend zur rukka-Kleidung passt ;-))

Zunaechst bleibt es trocken und kalt, dann faengt
es an zu regnen und wir fluechten abends in eine super Gastiniza (Hotel) fuer
700,- Rubel (ca. 20 € )bei "Kotskoje" an der P402. Die M51 fuehrt
leider durch Kasachstan und dafuer haben wir kein Visum, also fahren wir fast
paralell auf der P402. Am naechsten Tag uebernachten wir an einer Tankstelle
bei "Isim" und ein Angestellter meint, es sei Schnee angesagt!
Schnell weiter ueber uebelste Strasse: Loecher so gross wie Badewannen,
teilweise fehlt der Asphalt - zum Glueck regnet es gerade nicht. Wir machen
trotzdem viele Kilometer, erreichen "Omsk", wo wir ausserhalb in
einer Gastiniza uebernachten - bezahlen hier komischerweise nach Stunden...???
Dann geht es wieder auf die gute M51 Richtung "Novosibirsk" - unsere
bisher laengste Tagesetappe: 497 km! Wir uebernachten ca 200km vor Novosibirsk
an einer Stojanka ( = bewachter LKW Parkplatz oder besser gesagt - hier:
bewachtes Schlammloch...), wo wir unsere Plaetzchen mal wieder mit unzaehligen
Muecken teilen muessen.
Am 02.06.05 treffen wir uns mit Tommy & Rosa in "Berdsk", ca.
30km suedl. von Novosibirsk, an einem Traumplaetzchen direkt am Ob. Hier
treffen wir dann auch auf Nuri. Er ist Tuerke und lebt in Neuss und unternimmt
alleine eine drei-monatige Reise ueber D - Polen - Russland - Kasachstan -
Usbekistan - Tuerkei. Alleine reisen ist ganz schoen anstrengend - man muss die
Augen immer ueberall haben, um auf sein Gepaeck und Motorrad aufzupassen.
Leider hatte Nuri Pech und ihm wurde von besoffenen Russen viele
Ausruestungsgegenstaende und das GPS geklaut. So ist er jetzt sehr froh, nicht
mehr alleine zu sein und leistet Tommy & Rosa Gesellschaft bis er Mitte
Juni nach Kasachstan weiterfaehrt. Wir druecken Nuri die Daumen, dass alles
klappt und er heil wieder daheim ankommt - er ist ein sehr lieber Kerl.
Das Wetter ist wieder super - Sonne und warm! Abends sitzen wir alle zusammen
am Feuer, grillen und lassen uns dazu Bier und Wein koestlich schmecken.
Muecken hat es auch fast keine und es wachsen hauptsaechlich Nadelbaeume und
nur sehr wenige Birken. In Birken scheinen sich diese Biester namlich zu
verstecken. Der Ob ist ein riesengrosser Fluss und wir haben eher das Gefuehl
am Meer zu sitzen. Unser Platz ist eine Art Lagune - schoene Wiese, Baeume mit
Sandstrand. Idyllisch!
Nach einem Schraubertag am 03.06.05 brechen Tommy, Rosa und Nuri am 04.06.
wieder auf zu einem Abstecher ins Altai-Gebirge. Wir wollen einen Tag spaeter
folgen, bleiben jedoch noch bis zum 06.06. denn das Wetter ist so schoen und
einfach gut mal auszuruhen (ausserdem hat Carsten kaltes Warsteiner-Bier im
Supermarkt entdeckt :-)).
Wir backen zum ersten Mal Brot im guten alten "Henkelmann" - das
erste schmeckt sehr lecker, nachdem wir es geschaelt haben, das zweite ist
perfekt!
die Menschen
Die Reaktionen auf uns sind zum Teil sehr amuesant: wenn wir angehalten haben,
suchen die Menschen meist den Fahre der Baghi und ein Opa hat sich fast verschluckt
vor Lachen, als gesehen hat, das Alex doch tatsaechlich selber faehrt!
Wir sehen sehr viele alte Motorraeder (manchmal auch Autos - oweia!),
hauptsaechlich Gespanne: Jawa, Ural und MZ. Alles Zweitakter, extrem selten
begegnet uns mal ein neueres Motorrad.
Die Fragen sind immer die gleichen: Woher - wohin - wie lange unterwegs -
wieviel Kubikcentimeter - km am Tag - km/h (dann oft erstauntes
"Nur...?") und dann bekommen wir eine gute Reise gewuenscht. Die
immer wieder auftauchenden Polizeikontrollen beschraenken sich meist auf
neugierige Fragen und wenn Dokumente verlangt werden, reichen oft der russ.
Versicherungsschein und internationaler Fuehrerschein aus.
Die Russen haben eine enorme Gastfreundschaft und sind alle sehr hilfsbereit.
Fragt man nach dem Weg, kommt es nicht selten vor, dass man jemandem hinterher
fahren darf, der einem zu dem gewuenschten Ziel bringt - egal wie lange und wie
weit!
Manchmal bekommen wir einfach so Geschenke, weil die Menschen sich fuer und mit
uns freuen. Vor allem bei aelteren Russen, welche den 2. Weltkrieg miterlebt
haben ist das sehr ruehrend.
Auch beim Zelten abseits der Strassen haben wir bisher nie Probleme gehabt. Oft
werden wir nach Banditen gefragt - ob es wirklich welche gibt oder ob es
einfach nur Aengste und Geruechte sind? Wir wollen es bestimmt nicht genauer
wissen! Man intensiviert jedoch das Gespuehr fuer Ort, Menschen und Situationen
und wennsich einer von uns nicht wohl fuehlt, dann fahren wir eben weiter, bis
alles stimmt.
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