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 Samara - Berdsk / km 8549 - 10993

Weltreiseberichte Feb. - Okt. 2005Nun haben wir endlich wieder ein Internetcafe gefunden und nutzen die Gelegenheit auch gleich fuer den versprochenen Reisebericht und die ersten Bilder aus Russland - im Fotoalbum gibt's jetzt wieder etwas zu Sehen! Nach dem Aufenthalt in 'Samara' begeben wir uns wieder auf die M5 Richtung "Cel'Abinsk".

Wir erreichen bald die suedlichen Auslaeufer des Ural-Gebirges mit wunderschoener Landschaft und guten Strassen. Es wird deutlich kuehler und ab und an zieht auch ein Regenschauer vorbei. Wir fahren bis in die Naehe von Cel'Abinsk und als es wieder anfaengt heftig zu regnen, suchen wir an einer Tanke und Raststaette Unterschlupf. Zwei Maenner in Militaeruniform und MG halten hier Wache.
Als wir unser Zelt hinter dem Rasthaus aufbauen wollen, laedt uns einer der beiden, Vladimir, ein, bei ihm zu hause zu uebernachten. Er muss zwar heute nacht arbeiten, aber nachdem er mit seiner Frau Vera telefoniert hat, folgen wir der Einladung gerne. Ein Auto faehrt uns voraus zu dem ca. 6 km entfernten Dorf "Trupni", wo Vladimir, Vera und ihr juengster Sohn Ivan (17J.) wohnen.

Sie haben einen grossen schoenen Garten und sind gerade dabei, ihr Haus zu renovieren. Es wird bestimmt mal sehr schoen, wenn es fertig ist. Wir werden von Vera sehr herzlich empfangen und auch gleich mit einer leckeren Bortsch-Suppe verkoestigt. Danach duerfen wir in die Banja:
ein kleines Steinhaeuschen neben dem Wohnhaus - ein heisser Steinofen erhitzt Wasser, welches man ueber ein Rohr in eine Schuessel laufen laesst. 2 Bottiche kaltes Wasser um sich abzukuehlen und zum Waschen - mit einer Kelle wird aetherisches Oel in den Ofen geschuettet und mit einem Buendel nasser Birkenzweige wird die Durchblutung durch leichtes Schlagen auf den Ruecken angeregt. Zum Ruhen legt man sich auf treppenartig angelegte Holzbretter. Einfach himmlisch! Wellness pur!! Zumal es draussen bitterkalt geworden ist und heftig regnet - die Tempereatur sinkt auf unter 8 Grad C. Was fuer ein Glueck!
Danach bereitet Vera uns einen speziellen Kraeutertee zu, den man nach der Banja trinkt und dazu gibt's lecker suesse Teilchen.
Um 23.00 ist es trotz Regen immer noch nicht dunkel. Von Mai bis Mitte Juni wird es hier gar nie richtig Nacht - so weit weg von Deutschland sind wir schon. Hier sind wir Deutschland 4 Stunden voraus.
Am anderen Morgen ist Vladimir von der Nachtschicht zurueck, wir fruestuecken gemeinsam und dann holt er sein "Bajan" (akkordeonaehnliches, russ. Instrument) heraus und spielt und singt uns russ. Folklore vor. Die beiden sind unglaublich nett. Eigentlich wollten wir heute weiterfahren, doch Vera beschliesst kurzerhand, dass wir noch einen Tag bleiben, zumal das Wetter richtig uebel ist.
Den ganzen Tag werden wir mit Leckereien verwoehnt, bis wir fast platzen! Obwohl die beiden nur Russisch sprechen verstehen wir uns prima: mit Haenden, Fuessen und russischem Lernbuch.
Abends kommt die 21 jaehrige Tochter Slaviana mit ihrem Verlobten zu BEsuch. Es gibt noch mehr lecker Essen und danach wieder eine gepflegte Banja - besser als Gott in Frankreich ;-))
Slaviana studiert Deutsch und Englisch auf Lehramt und so koennen wir uns prima unterhalten. Der Abend wird sehr nett, lustig und lang...
Vladimir holt wieder eines seiner vier Bajane heraus und spielt und singt vom Ententanz, Abba, Beatles bis zur russ. Folklore einfach alles. Auch ein selbst komponierter Marsch ist dabei - beim Militaer war es ihm zu langweilig immer nur zum selben Lied zu marschieren und so hat er sich einfach selbst eines ausgedacht. Dann wollen sie noch ein dtsch. Volkslied hoeren und Alex gibt "Oh Elzach mein" zum Besten - sie ist froh, das wir alle, bis auf Vladimir und Vera, draussen sind...

Als wir Vladimir in seinem Tarnanzug mit MG getroffen haben, haetten wir es niemals fuer moeglich gehalten, dass er abends so mit uns am Tisch sitzt und allerbeste Alleinunterhalter-Qualitaeten zeigt!
Obwohl wir anderntags erneut zum Bleiben gebeten werden, packen wir leider zusammen und m,achen uns wieder auf den Weg. Russland ist so riesengross und zum einen wollen wir Tommy & Rosa wieder treffen und zum anderen auch noch genuegend Zeit fuer die MOngolei haben. Der Abschied am 30.05.05 faellt sehr schwer, trotz der kurzen Zeit, haben wir einander sehr ins Herz geschlossen. Wir werden jedoch eingeladen und mit Adressen und Telefonnummern versorgt, Vladimirs Schwester in "Nachodka" ( 200km noerdl. Vladivostock ) zu besuchen - es gibt dort auch eine Banja...
Carsten bekommt von Vladimir zum Abschied noch eine alte Militaermuetze geschenkt, welche hervorragend zur rukka-Kleidung passt ;-))

Zunaechst bleibt es trocken und kalt, dann faengt es an zu regnen und wir fluechten abends in eine super Gastiniza (Hotel) fuer 700,- Rubel (ca. 20 € )bei "Kotskoje" an der P402. Die M51 fuehrt leider durch Kasachstan und dafuer haben wir kein Visum, also fahren wir fast paralell auf der P402. Am naechsten Tag uebernachten wir an einer Tankstelle bei "Isim" und ein Angestellter meint, es sei Schnee angesagt! Schnell weiter ueber uebelste Strasse: Loecher so gross wie Badewannen, teilweise fehlt der Asphalt - zum Glueck regnet es gerade nicht. Wir machen trotzdem viele Kilometer, erreichen "Omsk", wo wir ausserhalb in einer Gastiniza uebernachten - bezahlen hier komischerweise nach Stunden...???
Dann geht es wieder auf die gute M51 Richtung "Novosibirsk" - unsere bisher laengste Tagesetappe: 497 km! Wir uebernachten ca 200km vor Novosibirsk an einer Stojanka ( = bewachter LKW Parkplatz oder besser gesagt - hier: bewachtes Schlammloch...), wo wir unsere Plaetzchen mal wieder mit unzaehligen Muecken teilen muessen.

Am 02.06.05 treffen wir uns mit Tommy & Rosa in "Berdsk", ca. 30km suedl. von Novosibirsk, an einem Traumplaetzchen direkt am Ob. Hier treffen wir dann auch auf Nuri. Er ist Tuerke und lebt in Neuss und unternimmt alleine eine drei-monatige Reise ueber D - Polen - Russland - Kasachstan - Usbekistan - Tuerkei. Alleine reisen ist ganz schoen anstrengend - man muss die Augen immer ueberall haben, um auf sein Gepaeck und Motorrad aufzupassen. Leider hatte Nuri Pech und ihm wurde von besoffenen Russen viele Ausruestungsgegenstaende und das GPS geklaut. So ist er jetzt sehr froh, nicht mehr alleine zu sein und leistet Tommy & Rosa Gesellschaft bis er Mitte Juni nach Kasachstan weiterfaehrt. Wir druecken Nuri die Daumen, dass alles klappt und er heil wieder daheim ankommt - er ist ein sehr lieber Kerl.
Das Wetter ist wieder super - Sonne und warm! Abends sitzen wir alle zusammen am Feuer, grillen und lassen uns dazu Bier und Wein koestlich schmecken. Muecken hat es auch fast keine und es wachsen hauptsaechlich Nadelbaeume und nur sehr wenige Birken. In Birken scheinen sich diese Biester namlich zu verstecken. Der Ob ist ein riesengrosser Fluss und wir haben eher das Gefuehl am Meer zu sitzen. Unser Platz ist eine Art Lagune - schoene Wiese, Baeume mit Sandstrand. Idyllisch!
Nach einem Schraubertag am 03.06.05 brechen Tommy, Rosa und Nuri am 04.06. wieder auf zu einem Abstecher ins Altai-Gebirge. Wir wollen einen Tag spaeter folgen, bleiben jedoch noch bis zum 06.06. denn das Wetter ist so schoen und einfach gut mal auszuruhen (ausserdem hat Carsten kaltes Warsteiner-Bier im Supermarkt entdeckt :-)).
Wir backen zum ersten Mal Brot im guten alten "Henkelmann" - das erste schmeckt sehr lecker, nachdem wir es geschaelt haben, das zweite ist perfekt!

die Menschen
Die Reaktionen auf uns sind zum Teil sehr amuesant: wenn wir angehalten haben, suchen die Menschen meist den Fahre der Baghi und ein Opa hat sich fast verschluckt vor Lachen, als gesehen hat, das Alex doch tatsaechlich selber faehrt!
Wir sehen sehr viele alte Motorraeder (manchmal auch Autos - oweia!), hauptsaechlich Gespanne: Jawa, Ural und MZ. Alles Zweitakter, extrem selten begegnet uns mal ein neueres Motorrad.
Die Fragen sind immer die gleichen: Woher - wohin - wie lange unterwegs - wieviel Kubikcentimeter - km am Tag - km/h (dann oft erstauntes "Nur...?") und dann bekommen wir eine gute Reise gewuenscht. Die immer wieder auftauchenden Polizeikontrollen beschraenken sich meist auf neugierige Fragen und wenn Dokumente verlangt werden, reichen oft der russ. Versicherungsschein und internationaler Fuehrerschein aus.

Die Russen haben eine enorme Gastfreundschaft und sind alle sehr hilfsbereit. Fragt man nach dem Weg, kommt es nicht selten vor, dass man jemandem hinterher fahren darf, der einem zu dem gewuenschten Ziel bringt - egal wie lange und wie weit!
Manchmal bekommen wir einfach so Geschenke, weil die Menschen sich fuer und mit uns freuen. Vor allem bei aelteren Russen, welche den 2. Weltkrieg miterlebt haben ist das sehr ruehrend.
Auch beim Zelten abseits der Strassen haben wir bisher nie Probleme gehabt. Oft werden wir nach Banditen gefragt - ob es wirklich welche gibt oder ob es einfach nur Aengste und Geruechte sind? Wir wollen es bestimmt nicht genauer wissen! Man intensiviert jedoch das Gespuehr fuer Ort, Menschen und Situationen und wennsich einer von uns nicht wohl fuehlt, dann fahren wir eben weiter, bis alles stimmt.



 
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Weltreiseberichte Feb. - Okt. 2005





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