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 Abstecher ins Altai / km 10993 - 12898

Weltreiseberichte Feb. - Okt. 2005Datum: 16.06.2005, 12:18 Uhr

Vom 07. - 15.06.05 nutzen wir die Nähe zur Mongolei und machen einen kurzen, aber wunderschönen Abstecher ins Altai-Gebiet.

Nach "Gorno-Altaijsk" beginnt die autonome Republik 'Altai'. Entlang der gut ausgebauten M52 ist alles sehr touristisch, es gibt unzählige Tankstellen, Einkaufsmöglichkeiten, Campingplätze und Gastinizas. Die Landschaft wird immer hügeliger, viele Wälder, Flüsse, kurvige Strassen und alles sehr sauber und nett.

Weiter Richtung Süden ändert sich die Infrastruktur schlagartig.



Als wir in "Tujkta" die M52 verlassen, kommen wir in eine andere Welt. Die wenigen Dörfer haben einen ländlichen Charakter, wir sehen viele grosse Kuhherden, Unmengen (scheinbar) wilder Pferde, Schafe, Schweine - alle teilen sich mit uns manchmal die Strasse, bzw. wir teilen mit ihnen die Piste!

Die Menschen hier haben alle mongolische Gesichtszüge, viele winken und andere sind sehr erstaunt. Vor allem sind alle sehr nett und freundlich!

Die Landschaft ist großartig: schroffe Felsen, schneebedeckte Berggipfel, riesige Gebirgsflüsse - einfach traumhaft! Immer wieder kreisen Adler über uns und wir sind fasziniert von der Schönheit dieser Wildnis!

Auch die Strapazen auf den staubigen Pisten, die manchmal durch, als Drecklöcher getarnte Baustellen ( was bauen die hier eigentlich... ?) unterbrochen werden, sind die Mühe wert!

Als wir nach diesem herrlichen aber anstrengenden Rundkurs über "Ust-Kan", "Sadaneschnoje" und "Sawetskoje" (keine Gewähr für richtige Rechtschreibung bei den Ortsnamen ;-)) wieder die Zivilisation bei "Bijsk" erreichen, beschließen wir noch eine Runde ins Gebirge zum "Tedskojie"-See zu machen.

Wir folgen also wieder der M52 bis "Gorno-Altajsk" und biegen dann ab, die gut asphaltierte Nebenstrasse zum See nehmend. Hier im nördlichen Altai ist alles viel touristischer, die Strassen gut geteert und viele Ausflügler unterwegs.

Ausserdem noch Milliarden von weissen Schmetterlingen - es ist eine unglaubliche Sauerei, diese Viecher wieder von Helm, Motorradklamotten, Gepäck und Motos zu kratzen. Eklig!

Die Landschaft ist wunderschön, wenn auch nicht mehr ganz so atemberaubend. An dem großen Gebirgsfluss "Uscha", der aus dem "Tedskojie"-See kommt, schlagen wir noch vor dem Ort "Artybas" unser Zelt auf. Eigentlich wolten wir nur einen Tag bleiben, doch daraus wird nix...

Carsten hat sich beim Holz-klein-treten so heftig den Fuß vertreten, dass wir schon das schlimmste befürchten. Der Fuss ist dick geschwollen und die Schmerzen so stark, das der Kreislauf schlapp macht. Auweia, hier im Gebirge gibt es kein Handynetz und der nächste Ort ist mit dem Motorrad ca. 15 Min entfernt. Zum Glück ist Sonntag und knapp 100m von uns entfernt sind einige Leute am Grillen. Alex bittet sie um Hilfe und dann erfahren wir eine unübertreffliche Hilfsbereitschaft.

Tanja, eine Russin, die in Chicago lebt und daher fließend Englisch spricht und Gera, ihr Bekannter, sowie Tanjas Sohn und dessen Ehefrau machen hier gerade Urlaub und wohnen in einem Camp in "Artybas". Zum Glück gibt es dort ein Hospital mit Röntgengerät (alles aus längst vergangenen Zeiten, aber durchaus funktionstüchtig). Während Carsten im Hospital wartet, fahren die anderen zusammen mit einer Krankenschwester los, um die Röntgenschwester zu holen.

Als beide Kolleginnen im Jeep von Gera sitzen, macht die eine der Röntgenschwester ein Zeichen, dass sie bereits ordentlich besoffen ist! Ups, naja, zumindest ist die Röntgenschwester nüchtern und nett.

Carsten ist den beiden Matruschkas jetzt "ausgeliefert", denn Tanja, Gera und Alex fahren in s Camp. Nur dort gibt es wohl ein funktionierendes Telefon, im Dorf ist nix zu machen. Auch im Camp ist es sehr schwierig mit der Verbindung. Deutsche Handynummern anzurufen ist unmöglich.

Nach vielen Versuchen erreicht Alex dann ihren Bruder Markus in Elzach und informiert ihn über unsere Lage. Er kann Tommy und Rosa aus Deutschland Bescheid geben (dachten wir, hat aber auch nicht geklappt).

Das Telefonat darf Alex natürlich nicht bezahlen - Gera will unbedingt die deftigen Kosten übernehmen!

Dann fahren alle zurück ins Hospital und Carsten steht (!) mit der Röntgenschwester am Eingang. Beide strahlen - es ist nix gebrochen! Dank der Schmerzmittel, die Carsten noch am Zeltplatz genommen hat, geht es nun wesentlich besser. Was für eine Erleichterung!

Bezahlen müssen wir auch nichts - wir sind überglücklich unsere Reise doch fortsetzen zu können.

Wir fahren zurück zum Zelt und den Motos und machen noch ein Bild von unseren Helfern.

Tanja meint:" Es ist sehr schön, euch getroffen zu haben." - obwohl wir ihnen ja den Grillabend versemmelt haben!!

Da fehlen uns echt die Worte über so viel Herzlichkeit!

Am 15.06.05 sind wir dann wieder zurück an "unserem" Plätzchen in 'Berdsk', wo wir neben Tommy und Rosa noch Arno treffen. Arno ist pensionierter Lehrer auf "Abwegen" - mit seiner Transalp kurvt er durch Kasachstan, Russland, Tatschikistan und andere Länder. Alles alleine - Respekt.



 
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