Datum: 16.06.2005, 12:18 Uhr
Vom 07. - 15.06.05 nutzen wir die
Nähe zur Mongolei und machen einen kurzen, aber wunderschönen Abstecher ins
Altai-Gebiet.
Nach "Gorno-Altaijsk"
beginnt die autonome Republik 'Altai'. Entlang der gut ausgebauten M52 ist
alles sehr touristisch, es gibt unzählige Tankstellen, Einkaufsmöglichkeiten,
Campingplätze und Gastinizas. Die Landschaft wird immer hügeliger, viele
Wälder, Flüsse, kurvige Strassen und alles sehr sauber und nett.
Weiter Richtung Süden ändert sich die Infrastruktur
schlagartig.
Als wir in "Tujkta" die
M52 verlassen, kommen wir in eine andere Welt. Die wenigen Dörfer haben einen
ländlichen Charakter, wir sehen viele grosse Kuhherden, Unmengen (scheinbar)
wilder Pferde, Schafe, Schweine - alle teilen sich mit uns manchmal die
Strasse, bzw. wir teilen mit ihnen die Piste!
Die Menschen hier haben alle
mongolische Gesichtszüge, viele winken und andere sind sehr erstaunt. Vor allem
sind alle sehr nett und freundlich!
Die Landschaft ist großartig:
schroffe Felsen, schneebedeckte Berggipfel, riesige Gebirgsflüsse - einfach
traumhaft! Immer wieder kreisen Adler über uns und wir sind fasziniert von der
Schönheit dieser Wildnis!
Auch die Strapazen auf den
staubigen Pisten, die manchmal durch, als Drecklöcher getarnte Baustellen ( was
bauen die hier eigentlich... ?) unterbrochen werden, sind die Mühe wert!
Als wir nach diesem herrlichen
aber anstrengenden Rundkurs über "Ust-Kan", "Sadaneschnoje"
und "Sawetskoje" (keine Gewähr für richtige Rechtschreibung bei den
Ortsnamen ;-)) wieder die Zivilisation bei "Bijsk" erreichen,
beschließen wir noch eine Runde ins Gebirge zum "Tedskojie"-See zu
machen.
Wir folgen also wieder der M52
bis "Gorno-Altajsk" und biegen dann ab, die gut asphaltierte
Nebenstrasse zum See nehmend. Hier im nördlichen Altai ist alles viel
touristischer, die Strassen gut geteert und viele Ausflügler unterwegs. 
Ausserdem noch Milliarden von weissen
Schmetterlingen - es ist eine unglaubliche Sauerei, diese Viecher wieder von
Helm, Motorradklamotten, Gepäck und Motos zu kratzen. Eklig!
Die Landschaft ist wunderschön,
wenn auch nicht mehr ganz so atemberaubend. An dem großen Gebirgsfluss
"Uscha", der aus dem "Tedskojie"-See kommt, schlagen wir
noch vor dem Ort "Artybas" unser Zelt auf. Eigentlich wolten wir nur
einen Tag bleiben, doch daraus wird nix...
Carsten hat sich beim
Holz-klein-treten so heftig den Fuß vertreten, dass wir schon das schlimmste
befürchten. Der Fuss ist dick geschwollen und die Schmerzen so stark, das der
Kreislauf schlapp macht. Auweia, hier im Gebirge gibt es kein Handynetz und der
nächste Ort ist mit dem Motorrad ca. 15 Min entfernt. Zum Glück ist Sonntag und
knapp 100m von uns entfernt sind einige Leute am Grillen. Alex bittet sie um
Hilfe und dann erfahren wir eine unübertreffliche Hilfsbereitschaft.
Tanja, eine Russin, die in
Chicago lebt und daher fließend Englisch spricht und Gera, ihr Bekannter, sowie
Tanjas Sohn und dessen Ehefrau machen hier gerade Urlaub und wohnen in einem
Camp in "Artybas". Zum Glück gibt es dort ein Hospital mit
Röntgengerät (alles aus längst vergangenen Zeiten, aber durchaus
funktionstüchtig). Während Carsten im Hospital wartet, fahren die anderen
zusammen mit einer Krankenschwester los, um die Röntgenschwester zu holen.
Als beide Kolleginnen im Jeep von
Gera sitzen, macht die eine der Röntgenschwester ein Zeichen, dass sie bereits
ordentlich besoffen ist! Ups, naja, zumindest ist die Röntgenschwester nüchtern
und nett.
Carsten ist den beiden
Matruschkas jetzt "ausgeliefert", denn Tanja, Gera und Alex fahren in
s Camp. Nur dort gibt es wohl ein funktionierendes Telefon, im Dorf ist nix zu
machen. Auch im Camp ist es sehr schwierig mit der Verbindung. Deutsche
Handynummern anzurufen ist unmöglich.
Nach vielen Versuchen erreicht
Alex dann ihren Bruder Markus in Elzach und informiert ihn über unsere Lage. Er
kann Tommy und Rosa aus Deutschland Bescheid geben (dachten wir, hat aber auch
nicht geklappt).
Das Telefonat darf Alex natürlich
nicht bezahlen - Gera will unbedingt die deftigen Kosten übernehmen!
Dann fahren alle zurück ins
Hospital und Carsten steht (!) mit der Röntgenschwester am Eingang. Beide
strahlen - es ist nix gebrochen! Dank der Schmerzmittel, die Carsten noch am
Zeltplatz genommen hat, geht es nun wesentlich besser. Was für eine
Erleichterung!
Bezahlen müssen wir auch nichts -
wir sind überglücklich unsere Reise doch fortsetzen zu können.

Wir fahren zurück zum Zelt und
den Motos und machen noch ein Bild von unseren Helfern.
Tanja meint:" Es ist sehr
schön, euch getroffen zu haben." - obwohl wir ihnen ja den Grillabend
versemmelt haben!!
Da fehlen uns echt die Worte über
so viel Herzlichkeit!
Am 15.06.05 sind wir dann wieder zurück an
"unserem" Plätzchen in 'Berdsk', wo wir neben Tommy und Rosa noch
Arno treffen. Arno ist pensionierter Lehrer auf "Abwegen" - mit
seiner Transalp kurvt er durch Kasachstan, Russland, Tatschikistan und andere
Länder. Alles alleine - Respekt.