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 Verrückte Mongolei

Weltreiseberichte Feb. - Okt. 2005

16533 km liegen hinter uns und ein faszinierendes Land und eine, uns gänzlich fremde Kultur vor uns.

Wie lange haben wir von diesem Moment geträumt, sind in Freiburg vor der Weltkarte gestanden und haben von dem soweit entfernten Land des "Dschinghis Khan" geschwärmt!

Jetzt haben uns unsere Motorräder bis hierher gebracht und wir haben das Glück, die Mongolei zusammen mit Ochir zu besuchen und ein wenig näher kennen zu lernen.

Gleich zu Beginn werden wir in mongolischer Sitte mit einem frisch geschlachteten Schaaf von Ochirs Familie in 'Suchbaatar' begrüßt. Geschlachtet wird in der Mongolei auf eine, wie uns versichert wird, für das Schaaf fast schmerzlose Technik.

Nach einem kleinen Schnitt wird dem Tier mit der Hand die Hohlvene abgedrückt, dadurch wird die Blutzufuhr zu den lebenswichtigen Organen unterbrochen.

Traditionell wird aus den Innereien eine fettige und deftige Suppe zubereiteit, welche sehr gesund sein soll. Außerdem wird aus den gekochten Innereien eine "Schlachtplatte" zubereitet. Es gibt Blutwurst, Herz und Nieren im Fettmantel gegart und eigentlich fast alles, was man auch in Deutschland auf der Schlachtplatte findet - nur eben etwas fettiger. Dazu trinkt man den üblichen leicht salzigen grünen Tee mit viel Milch und auch ein Vodka darf nicht fehlen. Überhaupt gilt: vor dem Essen ein Schluck Tee! Der schmeckt wirklich sehr gut und vor allem stärkt er ungemein, da man durch die Hitze und die körperlich Anstrengung auch viel Salz verliert. 1000mal besser als sämtlich Energydrinks!

Bekommt man etwas abgeboten, so nimmt man es mit der rechten Hand, die gestützt wird von der Linken an. Gibt man jemandem zu Begrüßung die Hand, so wird der Arm, falls ein Ärmel vorhanden ist, vorher bis zur Hand bedeckt.

Unsere ca. 1800 km lange (oder besser: kurze...) Reise durch die nördliche Mitte des großen Landes bringt uns die faszinierende Mongolei ein wenig näher.

Die Mongolei liegt im Durchschnitt auf 1500 müM! Das heisst, wir sind fast überwiegend auf knapp 2000 m unterwegs. Dort oben gibt es ewig weite Steppenlandschaften, rechts und links davon Huegelketten, meist baumlos, die aussehen, als wären sie mit gruenem oder braunem Samt überzogen. Dazu meist stahlblauer Himmel mit ganz vielen, in allen moeglichen Grau- und Weistönen, Wolkenhaufen. Ständig verändern sich die Farben- und Lichtspiele am Himmel und auf den Bergen. Abends wird es dann besonders "dramatisch", wenn sich noch Gelb- und Rottöne dazumischen. Die ganze Landschaft leuchtet!

Auch auf dem weiteren Weg zum "Hovsgöl-See" läßt uns dieses Licht- und Farbenspiel immer wieder staunen und wir haben Mühe, nicht nach jedem Paß (und davon überqueren wir einige) die Kameras heraus zu holen.

Wenn ein Gewitterschauer aufzieht, ist der Himmel schwarz, ein Regenbogen erscheint fast immer und wenn es dazu stürmt, ist es im Zelt am gemütlichsten.

Meist regnet es jedoch nur sehr kurz, dann wird's recht kühl und wenige Minuten später kommt die Sonne wieder raus und es ist knalleheiß.

Mitten in der Steppe stehen immer wieder vereinzelt ein paar Gers zusammen. Diese weißen Jurten sind nicht nur sau-gemütllich, sie sind auch trotz ihrer enormen Stabilität in ca. 30 Min. abgebaut und beherbergen oft die ganze Familie. Das können dan schon mal an die 12 Personen sein, die sich ein Ger teilen. Meist stehen zwei oder mehrere Gers zusammen, denn auch hier in der Steppe gilt (sinngemäß übersetzt): "Nur zusammen sind wir stark."

Nähe ist für die Moongolen überhaupt kein Problem - egal ob im Ger, am Bankschalter oder beim Campen. Wir würden uns ganz schön bedrängt fühlen mit unserer auf Distanz bedachten dtsch. Mentalität.

Aber auch eine enorme Gastfreundschaft und Großzügigkeit begegnet einem bei den Nomaden. Einem Reisenden in der Steppe wird generell Unterschlupf und Verpflegung gewährt. Wollen wir auch nur nach dem Weg fragen - eine Tasse Tee bekommen wir immer angeboten. Es soll Touristen geben, die dieses "Gesetz der Steppe" ausnutzen und sich bei den Nomaden so durchschmarotzen - pfui!!

Auch wir werden hin und wieder zum Essen eingeladen. Was die Vielfalt betrifft ist die mongolische Küche recht bescheiden. Dafür aber meist fettig und "hammelig" ohne Ende. Das hat seinen Grund in den harten Lebensumständen der Nomaden. Sie leben hier draußen wirklich unter extremen Bedingungen.

Frisches Hammelfleisch kann man ganz gut essen, aber wehe, wenn der Hammel älter war...

Wir entdecken aber auch weniger fettige Köstlichkeiten für uns. Besonders die mit Hackfleisch oder Innereien und Gemüse gefüllten Teigtaschen "Huzuur" haben es uns angetan. Auch diverse Milchprodukte sind extrem interessant. Es gibt getrocknete Joghurtkekse nicht nur aus Kuhmilch, auch Yaks werden gemolken. "Airag" ist das bekannteste, sozusagen Nationalgetränk: vergorene Stutenmilch. Wir haben es tapfer, sogar mehrmals, probiert, aber es schmeckt für uns fast so schlimm wie Yak-Schnaps. Ausserdem wirkt es in sekundenschnelle und man muß in die Steppe flitzen - Klos gibt's hier draußen seltenst...

Es ist üblich, das man immer, wenn man etwas angeboten bekommt, eine Kleinigkeit als Gastgeschenk gibt. Streichhölzer, Bonbons und Luftballons für die Kinder sind daher immer in unserem Handgepäck.

Wenn wir unsere Zelte in der Steppe aufgebaut haben, kommt, egal wo wir zelten, irgendwann immer jemand vorbei und bestaunt neugierig die, hier fremden Motorräder. Eine russ. "Isch" oder chinesische 250er ist ja nichts Neues, aber unsere japanisch / deutschen Enduros erregen doch immer das Interesse der Menschen. Auf dem Land ist dies auch nicht besonders schlimm, aber in den Städten haben wir so unsere Probleme damit. Bei jedem Halt versammelt sich eine Schar Neugieriger um uns, wir werden genauestens beobachtet und jeder will die Motorräder mal anfassen, an allem herumspielen und daran klopfen und einige auch am liebsten gleich draufsitzen. Da kann es dann schon mal anstrengend sein, auf die Motos aufzupassen...

In der Mongolei gibt es zig mal mehr Tiere als Menschen - das ist schön! Zäune oder Abgrenzungen gibt es keine und so sehen die riesigen Pferde-, Yak- und Rinderherden, hunderte von Schaafen und noch mehr Ziegen und auch die lieben Kamele alle aus, als wären sie wild. Das ist aber nur im Süden der Fall, wo es noch echte wilde Herden gibt. Hier im Norden traben die Viecherchen abends entweder von alleine zu den Gers zurück, oder die echten "wilden" Mongolen holen sie auf ihren Pferden zurück. Das sieht wirklich toll aus!

Auch viele Adler, andere Raubvögel und ganz, ganz viele putzige Erdmännchen sehen wir. Eines hat hat Alex leider platt gefahren. Sie rennen aber auch oft in scheinbar suizidaler Absicht im allerletzten Moment über die Pisten..

Das Hauptverkehrsmittel ist wohl immer noch das Pferd. Auch in den Städten und Dörfern sehen wir immer wieder Reiter ( in Ulan-Baatar allerdings weniger :-) ) Schon als Kleinkinder sitzen die Mongolen auf dem Pferd und dementsprechend können sie auch reiten in ihren hochgezogenen, oft kunstvoll verziehrten Holz- und Ledersätteln.

Je weiter wir wieder Richtung Norden kommen, um so häufiger sind auch die Berge wieder bewaldet. Manchmal sieht es sogar ein wenig aus, wie in der Schweiz oder im Schwarzwald.

Auch Flüsse und Bäche gibt es eigentlich jede Menge - nur haben nicht immer alle Wasser. Ab Mitte Juli beginnt die Regenzeit und wir müssen dann doch das ein oder andere Mal durch Wasserläufe fahren. Es kann auch mal vorkommen, das eine Piste durch einen ausgiebigen Regenguss unpassierbar wird oder ein Bach zum reissenden Fluß wird. Es ist aber selten, daß es mehrere Tage am Stück durchregnet. Meist sind es kräftige Schauer und Gewitter. So schnell wie ein Bach anschwellen kann, so rasch ist er dann aber auch wieder fast ausgetrocknet. Beim Zelten kann also ein gewisser Sicherheitsabstand zum nächsten Flußlauf durchaus ratsam sein.

Die knapp drei Wochen, welche wir durch das Land reisen, reichen uns leider nur für einen kleinen Rundkurs. Dennoch haben wir viel von der Faszination der Mongolei erlebt und es war bestimmt nicht unser letzter Besuch in diesem unglaublich schönen und einzigartigen Land.



 
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