16533 km liegen hinter uns und
ein faszinierendes Land und eine, uns gänzlich fremde Kultur vor uns.
Wie lange haben wir von diesem
Moment geträumt, sind in Freiburg vor der Weltkarte gestanden und haben von dem
soweit entfernten Land des "Dschinghis Khan" geschwärmt!
Jetzt haben uns unsere
Motorräder bis hierher gebracht und wir haben das Glück, die Mongolei zusammen
mit Ochir zu besuchen und ein wenig näher kennen zu lernen.
Gleich zu Beginn werden wir in mongolischer Sitte
mit einem frisch geschlachteten Schaaf von Ochirs Familie in 'Suchbaatar' begrüßt. Geschlachtet wird
in der Mongolei auf eine, wie uns versichert wird, für das Schaaf fast
schmerzlose Technik.
Nach einem kleinen Schnitt wird
dem Tier mit der Hand die Hohlvene abgedrückt, dadurch wird die Blutzufuhr zu
den lebenswichtigen Organen unterbrochen.
Traditionell wird aus den
Innereien eine fettige und deftige Suppe zubereiteit, welche sehr gesund sein
soll. Außerdem wird aus den gekochten Innereien eine "Schlachtplatte"
zubereitet. Es gibt Blutwurst, Herz und Nieren im Fettmantel gegart und
eigentlich fast alles, was man auch in Deutschland auf der Schlachtplatte
findet - nur eben etwas fettiger. Dazu trinkt man den üblichen leicht salzigen
grünen Tee mit viel Milch und auch ein Vodka darf nicht fehlen. Überhaupt gilt:
vor dem Essen ein Schluck Tee! Der schmeckt wirklich sehr gut und vor allem
stärkt er ungemein, da man durch die Hitze und die körperlich Anstrengung auch
viel Salz verliert. 1000mal besser als sämtlich Energydrinks!
Bekommt man etwas abgeboten, so
nimmt man es mit der rechten Hand, die gestützt wird von der Linken an. Gibt
man jemandem zu Begrüßung die Hand, so wird der Arm, falls ein Ärmel vorhanden
ist, vorher bis zur Hand bedeckt.
Unsere ca. 1800 km lange (oder
besser: kurze...) Reise durch die nördliche Mitte des großen Landes bringt uns
die faszinierende Mongolei ein wenig näher.
Die Mongolei liegt im
Durchschnitt auf 1500 müM! Das heisst, wir sind fast überwiegend auf knapp 2000
m unterwegs. Dort oben gibt es ewig weite Steppenlandschaften, rechts und links
davon Huegelketten, meist baumlos, die aussehen, als wären sie mit gruenem oder
braunem Samt überzogen. Dazu meist stahlblauer Himmel mit ganz vielen, in allen
moeglichen Grau- und Weistönen, Wolkenhaufen. Ständig verändern sich die Farben-
und Lichtspiele am Himmel und auf den Bergen. Abends wird es dann besonders
"dramatisch", wenn sich noch Gelb- und Rottöne dazumischen. Die ganze
Landschaft leuchtet!
Auch auf dem weiteren Weg zum
"Hovsgöl-See" läßt uns dieses Licht- und Farbenspiel immer wieder
staunen und wir haben Mühe, nicht nach jedem Paß (und davon überqueren wir
einige) die Kameras heraus zu holen.
Wenn ein Gewitterschauer
aufzieht, ist der Himmel schwarz, ein Regenbogen erscheint fast immer und wenn
es dazu stürmt, ist es im Zelt am gemütlichsten.
Meist regnet es jedoch nur sehr
kurz, dann wird's recht kühl und wenige Minuten später kommt die Sonne wieder
raus und es ist knalleheiß.
Mitten in der Steppe stehen
immer wieder vereinzelt ein paar Gers zusammen. Diese weißen Jurten sind nicht
nur sau-gemütllich, sie sind auch trotz ihrer enormen Stabilität in ca. 30 Min.
abgebaut und beherbergen oft die ganze Familie. Das können dan schon mal an die
12 Personen sein, die sich ein Ger teilen. Meist stehen zwei oder mehrere Gers
zusammen, denn auch hier in der Steppe gilt (sinngemäß übersetzt): "Nur
zusammen sind wir stark."
Nähe ist für die Moongolen
überhaupt kein Problem - egal ob im Ger, am Bankschalter oder beim Campen. Wir
würden uns ganz schön bedrängt fühlen mit unserer auf Distanz bedachten dtsch. Mentalität.
Aber auch eine enorme
Gastfreundschaft und Großzügigkeit begegnet einem bei den Nomaden. Einem
Reisenden in der Steppe wird generell Unterschlupf und Verpflegung gewährt. Wollen
wir auch nur nach dem Weg fragen - eine Tasse Tee bekommen wir immer angeboten.
Es soll Touristen geben, die dieses "Gesetz der Steppe" ausnutzen und
sich bei den Nomaden so durchschmarotzen - pfui!!
Auch wir werden hin und wieder zum Essen eingeladen. Was die
Vielfalt betrifft ist die mongolische Küche recht bescheiden. Dafür aber meist
fettig und "hammelig" ohne Ende. Das hat seinen Grund in den harten
Lebensumständen der Nomaden. Sie leben hier draußen wirklich unter extremen
Bedingungen.
Frisches Hammelfleisch kann man
ganz gut essen, aber wehe, wenn der Hammel älter war...
Wir entdecken aber auch weniger
fettige Köstlichkeiten für uns. Besonders die mit Hackfleisch oder Innereien
und Gemüse gefüllten Teigtaschen "Huzuur" haben es uns angetan. Auch
diverse Milchprodukte sind extrem interessant. Es gibt getrocknete Joghurtkekse
nicht nur aus Kuhmilch, auch Yaks werden gemolken. "Airag" ist das
bekannteste, sozusagen Nationalgetränk: vergorene Stutenmilch. Wir haben es
tapfer, sogar mehrmals, probiert, aber es schmeckt für uns fast so schlimm wie
Yak-Schnaps. Ausserdem wirkt es in sekundenschnelle und man muß in die Steppe
flitzen - Klos gibt's hier draußen seltenst...
Es ist üblich, das man immer,
wenn man etwas angeboten bekommt, eine Kleinigkeit als Gastgeschenk gibt. Streichhölzer,
Bonbons und Luftballons für die Kinder sind daher immer in unserem Handgepäck.
Wenn wir unsere Zelte in der
Steppe aufgebaut haben, kommt, egal wo wir zelten, irgendwann immer jemand
vorbei und bestaunt neugierig die, hier fremden Motorräder. Eine russ.
"Isch" oder chinesische 250er ist ja nichts Neues, aber unsere
japanisch / deutschen Enduros erregen doch immer das Interesse der Menschen. Auf
dem Land ist dies auch nicht besonders schlimm, aber in den Städten haben wir
so unsere Probleme damit. Bei jedem Halt versammelt sich eine Schar Neugieriger
um uns, wir werden genauestens beobachtet und jeder will die Motorräder mal
anfassen, an allem herumspielen und daran klopfen und einige auch am liebsten
gleich draufsitzen. Da kann es dann schon mal anstrengend sein, auf die Motos
aufzupassen...
In der Mongolei gibt es zig mal
mehr Tiere als Menschen - das ist schön! Zäune oder Abgrenzungen gibt es keine
und so sehen die riesigen Pferde-, Yak- und Rinderherden, hunderte von Schaafen
und noch mehr Ziegen und auch die lieben Kamele alle aus, als wären sie wild. Das
ist aber nur im Süden der Fall, wo es noch echte wilde Herden gibt. Hier im
Norden traben die Viecherchen abends entweder von alleine zu den Gers zurück,
oder die echten "wilden" Mongolen holen sie auf ihren Pferden zurück.
Das sieht wirklich toll aus!
Auch viele Adler, andere
Raubvögel und ganz, ganz viele putzige Erdmännchen sehen wir. Eines hat hat
Alex leider platt gefahren. Sie rennen aber auch oft in scheinbar suizidaler
Absicht im allerletzten Moment über die Pisten..
Das Hauptverkehrsmittel ist
wohl immer noch das Pferd. Auch in den Städten und Dörfern sehen wir immer
wieder Reiter ( in Ulan-Baatar allerdings weniger :-) ) Schon als Kleinkinder
sitzen die Mongolen auf dem Pferd und dementsprechend können sie auch reiten in
ihren hochgezogenen, oft kunstvoll verziehrten Holz- und Ledersätteln.
Je weiter wir wieder Richtung
Norden kommen, um so häufiger sind auch die Berge wieder bewaldet. Manchmal
sieht es sogar ein wenig aus, wie in der Schweiz oder im Schwarzwald.
Auch Flüsse und Bäche gibt es
eigentlich jede Menge - nur haben nicht immer alle Wasser. Ab Mitte Juli
beginnt die Regenzeit und wir müssen dann doch das ein oder andere Mal durch
Wasserläufe fahren. Es kann auch mal vorkommen, das eine Piste durch einen
ausgiebigen Regenguss unpassierbar wird oder ein Bach zum reissenden Fluß wird.
Es ist aber selten, daß es mehrere Tage am Stück durchregnet. Meist sind es
kräftige Schauer und Gewitter. So schnell wie ein Bach anschwellen kann, so
rasch ist er dann aber auch wieder fast ausgetrocknet. Beim Zelten kann also
ein gewisser Sicherheitsabstand zum nächsten Flußlauf durchaus ratsam sein.
Die knapp drei Wochen, welche wir durch das Land
reisen, reichen uns leider nur für einen kleinen Rundkurs. Dennoch haben wir
viel von der Faszination der Mongolei erlebt und es war bestimmt nicht unser
letzter Besuch in diesem unglaublich schönen und einzigartigen Land.