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 Ulan-Ude, 25.08. - 10.09.2005

Weltreiseberichte Feb. - Okt. 2005
Nachdem wir unseren Entschluss, den Winter am Baikal zu verbringen und unserer eigenes "Sternflüstern" ohne Drehbuch, Regie und gestellten Szenen erleben zu wollen, auch unseren Lieben daheimmitgeteilt haben, fangen wir mit Elianes Hilfe an, die Rädchen der russische Bürokratie ins Drehen zu bringen.

Zunächst versuchen wir die, innnerhalb drei Tage benötigte, übliche Registratio bei der Meldebehörde zu bekommen. Bisher haben wir uns diese immer in einer Gastiniza beschaffen können - doch hier sind wir ja privat untergebracht.

Die Tatsache, das wir mit einem Buisisness-Visum privat mit zwei Motorrädern unterwegs sind, macht den gründlichen Beamten auf dem Meldebüro jedoch schwer zu schaffen. Erst als wir ein Fax aus Moskau von der uns einladenden Firma besorgen, in dem steht, daß wir überall registriert werden dürfen, glätten sich die Wogen. Auch als wir angeben an der Uda zu zelten ( wir wollen Eliane ja keine Schwierigkeiten machen... ), wird dies akzeptiert. Zwar etwas skeptisch und mit einem Lächeln, aber immerhin bekommen wir die wichtige Registrierung für unseren gesamten Aufenthalt hier in Ulan-Ude.

Problemlos dagegen ist der Kauf unserer Flugtickets nach Deutschland. Für rund 13000,- RUB (ca. 370,- €) pro Ticket bekommen wir einen Flug am 02.10. Da kann man nicht maulen!

Ja, wir werden einen kurzen "Heimaturlaub" einlegen und mal "nach dem Rechten sehen". Zum einen müssen wir die neuen Visas besorgen, da unsere jetzigen am 04.10. auslaufen, zum anderen wird Alex Tante und das muss schließlich gefeiert werden!

So werden wir also doch einmal nach Moskau kommen, denn dort haben wir einen Tag Aufenthalt - auch recht.

Als nächstes brauchen wir eine neue Einladung für die nächsten Visas. Diese wird uns freundlicherweise von der hiesigen Universität ausgestellt - als Sprachstudenten werden wir eingeladen. Mit diesem Dokument sollten wir uns ein verlängerbares Dreimonats-Visum besorgen können.

Schon wieder zeigt sich die Gründlichkeit der burjatischen Behörden: Bisher ist niemandem aufgefallen, daß auf Alex' Pass ein kleiner Fehlerexistiert - es fehlt doch tatsächlich eine Ziffer bei der Passnummer!(Schlampigkeit der deutschen Behörden...?)

Hier wurde es dann doch bemerkt und löste auch gleich Nachfragen aus.

Um den ganzen Behördenkram erledigen zu können ist es natürlich sinnvoll, dass wir hier vor Ort sind und so finden wir mit Elianes Hilfe (was würden wir nur ohne sie machen?) eine kleine 1-Zimmer Wohnung für 4500,- RUB.

Im "klassischen Sowjetstil" eingerichtet, mit Herd und Telefon ausgestattet, liegt sie recht zentral und bietet uns genügend Platz für unseren restlichen Aufenthalt

Jetzt wohnen wir in Ostsibirien - wer hätte das gedacht?

Nach rund 19000 km und sieben Monaten Nomadenleben sind wir nun wieder ortsfest. Wenn auch nur vorrübergehend, denn selbstverständlich geht unsere Reise um die Welt weiter, sobald wir den Winter in Sibirien einmal selbst erlebt haben!

Dennoch ist es schon etwas gewöhnungsbedürftig und die ständige Abwechslung auf unseren Motos, die wir bisher auf unserem langen Weg hierher hatten, fehlt uns schon..

Da wir ja bei unserem ersten Aufenthalt in Ulan-Ude schon volle 12 Tage hier "hängen geblieben" sind, kennen wir uns bereits ganz gut aus in der burjatischen Hauptstadt und fühlen uns mittlerweile schon fast heimisch hier.

Man kann es hier eigentlich sehr gut aushalten. Auch wenn die Stadt bestimmt nicht zu den absoluten Schönheiten Russlands gehört, bietet sie doch das ein und andere nette Plätzchen.

Zum Einkaufen muss man selten weit laufen, denn die kleinen Lebensmittelläden (Produktis) sind dichter verteilt als in Deutschland und viele haben 24h geöffnet. 25h haben wir auch schon gesehen - wie machen die das nur...?

Das Warenangebot steht dem europäischen in so gut wie nichts nach und auf dem bunten Zentralmarkt gibt's frisches Gemüse und Obst in Hülle und Fülle.

Wer nicht auf dem Markt verkauft, steht am Straßenrand und bietet sein Gemüse oder Obst dort an.

Und wenn einem der Weg doch einmal zuweit ist, kommt man mit den billigen "Marschrutkas" (Kleinbusse) für 8,- RUB überall hin.

Die Infrastruktur ist somit sogar besser als in manch deutscher StadtUnd da wir Wert auf schönes Wetter legen, kommen uns die durchschnuttlich 280 Sonnentagen im Jahr, die Ulan-Ude zu bieten hat auch gelegen. Es ist tatsächlich während unseres Aufenthaltes hier bisher nie länger als max. zwei Tage am Stück die Sonne verschwunden.

Die Stadt ist bekannt für ihr grosses Lokomotiven- Reparaturwerk und besitzt zudem einen ziemlich umfassenden Güterbahnho Hier treffen die Schienen von Süden aus China und der Mongolei auf die der Transsibirischen Eisenbahn und jeder Zug aus Moskau macht hier halt.

Die Lautsprecherdurchsagen mit denen die Zügam Bahnhof t dirigiert werden, schallen rund um die Uhr durch die gesamte Stadt. Vielleicht sollte der Bahngesellschaft mal jemand ein paar Funkgeräte spendieren.

Einige Durchsagen werden mit der Melodie von "We wish you a merry Christmas" angekündigt, auch wenn es bis Weihnachten noch etwas dauert.

Als Carsten das Treiben auf dem Bahnhof auf Video festhalten will, meint eine vorrüber rauschende Bahnbedienstete nur lapidar: "Ich hole gleich den Wachmann!".

Filmen und Fotografieren von Bahnhöfen, Flug- und Schiffshäfen mögen die Russen noch immer nicht - weshalb auch immer.

Bei weiteren Filmaufnahmen in der Stadt versuchen wir immer darauf zu achten, dass wir nicht versehentlich die Miliz filmen - man weiss ja nie, was denen noch so alles einfällt.

Das Bild auf den Straßen ist gemischt aus PKWs, Bussen und LKWs die ihre besten Tage wohl noch zu Sowjetzeiten hatten und neuen, meist japanischen und südkoreanischen Rechtslenkern.

Viele Häuser tragen noch immer schwer am Erbe der CCCP, andere sind schön restauriert und neben den vielen glänzenden und prächtigen Altbauten finden sich immer wieder die typischen Holzhäuschen im Stadtbild.

Die Kleidung der Menschen, vor allem der Jüngeren, unterscheidet sich nicht mehr von der der westlichen Jugend. Mittlerweile hat auch die russische Textilindustrie begriffen, daß modische Kleidung besser ankommt. Nur leider etwas zu spät, denn die meisten Sachen kommen aus chinesicher Produktion in die Läden und an die Marktstände.

Der nächste Behördenakt ist dann der Zoll. Unsere Motorräder bleiben während unsere Deutschlandbesuches und über den Winter natürlich hier in der beheitzten Stojanka (bewachte Garage) stehen und leisten Elianes UAS "Mascha" Gesellschaft.

Nur steht in unseren jetzigen Visa drinnen, dass wir mit Fahrzeugen unterwegs sind - das könnte bei der Ausreise Probleme machen und für unsere neuen Visa müssen wir die Motos auch wieder angeben, was bei der nächsten Einreise Fragen aufwerfen könnte.

Auch hier hilft uns Eliane wieder - es ist einfach angenehmer, die Behörden mit Sprachkenntnissen zu besuchen...

Zwischenzeitlich machen wir bei einem "deutschen Abend" in einem Restaurant interessante Bekanntschaften.

Mit Wolfgang und Clothilde haben wir nicht nur zwei Badener aus Au bei Karlsruhe zum "Schwätze" gefunden, sie engagieren sich auch sehr für die an Tubekulose erkrankten Kinder hier in Burjatien.

Wolfgangs erster Besuch in einem Kinderheim in Ulan-Ude vor einigen Jahren ging ihm so nahe, dass er kurzerhand beschlossen hat, den Kindern hier zu helfen.

Nun nutzt er seine Rentenzeit, um mit der, von ihm gegründeten "Deutsch Sibirischen Gemeinschaft", DeSiGn e.V. das Leben der Kinder in den Kliniken und Heimen hier zu verbessern.

Durch Spendengelder, die er sammelte, konnte bereits einiges bewirkt werden und weitere Aktionen und Unterstützungen sind geplant.

Zusammen besuchen wir eine Tb Vor- und Nachsorge- Klinik und sind beeindruckt, was der engagierte Oberarzt Vladimir zusammen mit der Hilfe der DeSiGn bereits alles erreicht hat. Doch es ist noch einiges an Unterstützung notwendig, denn die staatlichen Gelder fließen nur sehr spärlich und oft in die falsche Richtung...

Wir finden die Arbeit von Wolfgang prima und werden versuchen, ihn nach unseren Möglichkeiten zu unterstütze

Mehr über unseren Besuch der Kinderklinik findet ihr im Artikel "Die Kinderklinik in Ilinka".

Wer Interesse an einer Unterstützung seiner engagierten Arbeit hat, darf sich gerne bei uns melden, oder über die Webseite der DeSiGn direkt Kontakt mit Wolfgang aufnehmen - es lohnt sich!

So weit aus Ulan-Ude, wir melden uns aus Deutschland wieder!

Bis zum nächsten Bericht auf diesem Bildschirm,

Alex und Carsten



 
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