
Nachdem wir unseren Entschluss, den Winter am
Baikal zu verbringen und unserer eigenes "Sternflüstern"
ohne Drehbuch, Regie und gestellten Szenen erleben zu wollen, auch unseren
Lieben daheimmitgeteilt haben, fangen
wir mit Elianes Hilfe an, die Rädchen der russische Bürokratie ins Drehen zu
bringen.
Zunächst versuchen wir die, innnerhalb
drei Tage benötigte, übliche Registratio bei der Meldebehörde zu bekommen.
Bisher haben wir uns diese immer in einer Gastiniza beschaffen können - doch
hier sind wir ja privat untergebracht.
Die Tatsache, das wir mit einem
Buisisness-Visum privat mit zwei Motorrädern unterwegs sind, macht den
gründlichen Beamten auf dem Meldebüro jedoch schwer zu schaffen. Erst als wir
ein Fax aus Moskau von der uns einladenden Firma besorgen, in dem steht, daß
wir überall registriert werden dürfen, glätten sich die Wogen. Auch als wir
angeben an der Uda zu zelten ( wir
wollen Eliane ja keine Schwierigkeiten machen... ), wird dies akzeptiert. Zwar
etwas skeptisch und mit einem Lächeln, aber immerhin bekommen wir die wichtige
Registrierung für unseren gesamten Aufenthalt hier in Ulan-Ude.
Problemlos dagegen ist der Kauf unserer
Flugtickets nach Deutschland. Für rund 13000,- RUB (ca. 370,- €) pro Ticket
bekommen wir einen Flug am 02.10. Da kann man nicht maulen!
Ja, wir werden einen kurzen
"Heimaturlaub" einlegen und mal "nach dem Rechten sehen".
Zum einen müssen wir die neuen Visas besorgen, da unsere jetzigen am 04.10.
auslaufen, zum anderen wird Alex Tante und das muss schließlich gefeiert
werden!
So werden wir also doch einmal nach
Moskau kommen, denn dort haben wir einen Tag Aufenthalt - auch recht.
Als nächstes brauchen wir eine neue
Einladung für die nächsten Visas. Diese wird uns freundlicherweise von der
hiesigen Universität ausgestellt - als Sprachstudenten werden wir eingeladen.
Mit diesem Dokument sollten wir uns ein verlängerbares Dreimonats-Visum
besorgen können.
Schon wieder zeigt sich die
Gründlichkeit der burjatischen Behörden: Bisher ist niemandem aufgefallen, daß
auf Alex' Pass ein kleiner Fehlerexistiert - es fehlt doch tatsächlich eine
Ziffer bei der Passnummer!(Schlampigkeit der deutschen Behörden...?)
Hier wurde es dann doch bemerkt und
löste auch gleich Nachfragen aus.
Um den ganzen Behördenkram erledigen zu
können ist es natürlich sinnvoll, dass wir hier vor Ort sind und so finden wir
mit Elianes Hilfe (was würden wir nur ohne sie machen?) eine kleine 1-Zimmer
Wohnung für 4500,- RUB.
Im "klassischen Sowjetstil"
eingerichtet, mit Herd und Telefon ausgestattet, liegt sie recht zentral und
bietet uns genügend Platz für unseren restlichen Aufenthalt
Jetzt wohnen wir in Ostsibirien - wer
hätte das gedacht?
Nach rund 19000 km und sieben Monaten
Nomadenleben sind wir nun wieder ortsfest. Wenn auch nur vorrübergehend, denn
selbstverständlich geht unsere Reise um die Welt weiter, sobald wir den Winter
in Sibirien einmal selbst erlebt haben!
Dennoch ist es schon etwas gewöhnungsbedürftig
und die ständige Abwechslung auf unseren Motos, die wir bisher auf unserem
langen Weg hierher hatten, fehlt uns schon..
Da wir ja bei unserem ersten Aufenthalt
in Ulan-Ude schon volle 12 Tage hier "hängen geblieben" sind, kennen
wir uns bereits ganz gut aus in der burjatischen Hauptstadt und fühlen uns
mittlerweile schon fast heimisch hier.
Man kann es hier eigentlich sehr gut
aushalten. Auch wenn die Stadt bestimmt nicht zu den absoluten Schönheiten
Russlands gehört, bietet sie doch das ein und andere nette Plätzchen.
Zum Einkaufen muss man selten weit
laufen, denn die kleinen Lebensmittelläden (Produktis)
sind dichter verteilt als in Deutschland und viele haben 24h geöffnet. 25h
haben wir auch schon gesehen - wie machen die das nur...?
Das Warenangebot steht dem europäischen
in so gut wie nichts nach und auf dem bunten Zentralmarkt gibt's frisches
Gemüse und Obst in Hülle und Fülle.
Wer nicht auf dem Markt verkauft, steht
am Straßenrand und bietet sein Gemüse oder Obst dort an.
Und wenn einem der Weg doch einmal
zuweit ist, kommt man mit den billigen "Marschrutkas" (Kleinbusse)
für 8,- RUB überall hin.
Die Infrastruktur ist somit sogar
besser als in manch deutscher StadtUnd da wir Wert auf schönes Wetter legen,
kommen uns die durchschnuttlich 280 Sonnentagen im Jahr, die Ulan-Ude zu bieten
hat auch gelegen. Es ist tatsächlich während unseres Aufenthaltes hier bisher
nie länger als max. zwei Tage am Stück die Sonne verschwunden.
Die Stadt ist bekannt für ihr grosses
Lokomotiven- Reparaturwerk und besitzt zudem einen ziemlich umfassenden
Güterbahnho Hier treffen die Schienen von Süden aus China und der Mongolei auf
die der Transsibirischen Eisenbahn und jeder Zug aus Moskau macht hier halt.
Die Lautsprecherdurchsagen mit denen
die Zügam Bahnhof t dirigiert werden, schallen rund um die Uhr durch die
gesamte Stadt. Vielleicht sollte der Bahngesellschaft mal jemand ein paar
Funkgeräte spendieren.
Einige Durchsagen werden mit der
Melodie von "We wish you a merry Christmas" angekündigt, auch wenn es
bis Weihnachten noch etwas dauert.
Als Carsten das Treiben auf dem Bahnhof
auf Video festhalten will, meint eine vorrüber rauschende Bahnbedienstete nur
lapidar: "Ich hole gleich den Wachmann!".
Filmen und Fotografieren von Bahnhöfen,
Flug- und Schiffshäfen mögen die Russen noch immer nicht - weshalb auch immer.
Bei weiteren Filmaufnahmen in der Stadt
versuchen wir immer darauf zu achten, dass wir nicht versehentlich die Miliz
filmen - man weiss ja nie, was denen noch so alles einfällt.
Das Bild auf den Straßen ist gemischt
aus PKWs, Bussen und LKWs die ihre besten Tage wohl noch zu Sowjetzeiten hatten
und neuen, meist japanischen und südkoreanischen Rechtslenkern.
Viele Häuser tragen noch immer schwer
am Erbe der CCCP, andere sind schön restauriert und neben den vielen glänzenden
und prächtigen Altbauten finden sich immer wieder die typischen Holzhäuschen im
Stadtbild.
Die Kleidung der Menschen, vor allem
der Jüngeren, unterscheidet sich nicht mehr von der der westlichen Jugend.
Mittlerweile hat auch die russische Textilindustrie begriffen, daß modische
Kleidung besser ankommt. Nur leider etwas zu spät, denn die meisten Sachen
kommen aus chinesicher Produktion in die Läden und an die Marktstände.
Der nächste Behördenakt ist dann der Zoll. Unsere Motorräder bleiben
während unsere Deutschlandbesuches und über den Winter natürlich hier in der
beheitzten Stojanka (bewachte Garage) stehen und leisten Elianes UAS
"Mascha" Gesellschaft.
Nur steht in unseren jetzigen Visa
drinnen, dass wir mit Fahrzeugen unterwegs sind - das könnte bei der Ausreise
Probleme machen und für unsere neuen Visa müssen wir die Motos auch wieder
angeben, was bei der nächsten Einreise Fragen aufwerfen könnte.
Auch hier hilft uns Eliane wieder - es
ist einfach angenehmer, die Behörden mit Sprachkenntnissen zu besuchen...
Zwischenzeitlich machen wir bei einem
"deutschen Abend" in einem Restaurant interessante
Bekanntschaften.
Mit Wolfgang und Clothilde haben wir
nicht nur zwei Badener aus Au bei Karlsruhe zum "Schwätze" gefunden,
sie engagieren sich auch sehr für die an Tubekulose erkrankten Kinder hier in
Burjatien.
Wolfgangs erster Besuch in einem
Kinderheim in Ulan-Ude vor einigen Jahren ging ihm so nahe, dass er kurzerhand
beschlossen hat, den Kindern hier zu helfen.
Nun nutzt er seine Rentenzeit, um mit
der, von ihm gegründeten "Deutsch Sibirischen Gemeinschaft",
DeSiGn e.V. das Leben der Kinder in den Kliniken und Heimen hier zu verbessern.
Durch Spendengelder, die er sammelte,
konnte bereits einiges bewirkt werden und weitere Aktionen und Unterstützungen sind geplant.
Zusammen besuchen wir eine Tb Vor- und
Nachsorge- Klinik und sind beeindruckt, was der engagierte Oberarzt Vladimir
zusammen mit der Hilfe der DeSiGn bereits alles erreicht hat. Doch es ist noch
einiges an Unterstützung notwendig, denn die staatlichen Gelder fließen nur
sehr spärlich und oft in die falsche Richtung...
Wir finden die Arbeit von Wolfgang
prima und werden versuchen, ihn nach unseren Möglichkeiten zu unterstütze
Mehr über unseren Besuch der
Kinderklinik findet ihr im Artikel "Die
Kinderklinik in Ilinka".
Wer Interesse an einer Unterstützung
seiner engagierten Arbeit hat, darf sich gerne bei uns melden, oder über die Webseite der
DeSiGn direkt Kontakt mit Wolfgang aufnehmen - es lohnt sich!
So weit aus Ulan-Ude, wir melden uns
aus Deutschland wieder!
Bis zum nächsten Bericht
auf diesem Bildschirm,
Alex und Carsten