"Staatliche
Vernachlässigung"
Am
03.09. besuchen wir zusammen mit Wolfgang und Clothilde,der stellv. Chefärztin
der Tb-Kliniken Larissan mit ihrem Sohn
und Anja als Dolmetscherin die Tb-Kinderklinik in 'Ilinka', ca. 70 km westlich
von Ulan-Ude.
Wir fahren
mit unseren Motorrädern, denn der "Wolga" ist bereits voll
ausgelastet. Nach einer teilweisen wunderschönen Bergstrecke erreichen wir
schon bald den Klinikkomplex in dem kleinen Ort an der Selenge.
Bei strahlend blauem Himmel begrüßt uns der leitende Oberarzt Vladimir
und zeigt uns die Anlage aus mehreren Holzhäusern.
Von
den 120 Betten sind zur Zeit 108 belegt und 120 Mitarbeiter ( 22
Krankenschwestern, 20 Pflegehilfskräfte, 6 Ärzte, Heizer, Handwerker und Lehrer
) sind hier beschäftigt. Küchenpersonal, Pflegekräfte und zwei Ärzte sind
jeweils anwesend.
Die
Kinder, zwischen einem und 15 Jahren alt, haben entweder eine akute Erkrankung
hinter sich oder sind zur Prophylaxe hier. So gut wie alle benötigen
Medikamente. Bei einem akuten Tb-Schub kommenn die kleinen Patienten in die
Akutklinik in Ulan-Ude.
Die
Verweildauer liegt zwischen drei Monaten und maximal einem Jahr, dann müssen
die Kinder nach dem Gesetz wieder zurück, woher sie auch immer kommen.
Das
ist problematisch, da die Kinder alle aus schwierigen Elternhäusern kommen und
sozial sehr vernachlässigt sind. Einige haben auch gar keine Familie mehr und
müssen dann wieder in ein staatliches Heim. Andere kommen zurück in zerrüttete
Familien, haben Alkoholiker als Eltern. Die Versorgung und Betreuung der meist
chronisch kranken Kinder ist dort absolut unzureichend!
Ein
Teufelskreis, aber noch gibt es keine vernünftige Alternative für die Kids,
wenn sie wieder entlassen werden müssen.
Die Wohn-
Schlaf- und Behandlungsräume sind in Holzhäusern untergebracht, die völlig
unzureichend isoliert sind und eigentlich nicht für diesen Zweck erbaut wurden.
Daher sind die Zimmer, in denen vier bis sechs Betten stehen sehr klein.
Das
zur Zeit dringlichste Problem ist, dass die Kinder kaum noch tragbare Kleidung
haben. Wir werfen einen Blick in die Kleiderkammer - durchgelaufene Schuhe und
löchrige Sachen. Dieses Problem wird Wolfgang noch während seines Aufenthalltes
hier mit Hilfe der Spendengelder, die er über die "DeSiGn e.V."
gesammelt hat, durch den Kauf von Schuhen und Strümpfen für die Kinder etwas
mildern.
Die
Kinder erwarten uns schon und tragen zur Begrüßung Gedichte und Lieder vor.
Zuerst die Kleinen, dann die Großen und dann alle zusammen. Das ist wirklich
rührend!
Durch das
große Engagement von Vladimir und der bisherigen Unterstützung der
"DeSiGn" hat sich in den letzten Jahren hier auch schon einiges
getan. Neue Fenster ( teilweise waren nicht einmal Scheiben vorhanden! ) wurden
eingebaut, Betten erneuert (auch wenn sie immer noch aussehen, als ob sie 20
Jahre alt wären ), Kühlschränke und medizinische Geräte angeschafft und die
große Kohleheizung renoviert.
Vladimir
betont die Wichtigkeit der Heizer, ohne die sie hier im Winter verloren sind.
"Sie sind genauso wichtig wie die Ärzte und Krankenschwestern!"
Auch eine
Schule gibt es hier, wenn es auch an Lehrern und Lehrbüchern mangelt. Alles ist
sehr ordentlich und sauber, aber halt mit mangelndem Inventar. Einige Tafeln
sind neu, sie wurden auch von Wolfgang organisiert.
In
der kleinen Werkstatt werden Holzschrubber und Kleiderbügel gefertigt, durch
deren Verkauf ein paar Rubel verdient werden. Die Werkzeuge dazu kommen
ebenfalls von der "DeSiGn".
Obwohl
( oder weil...) die Klinik eine staatliche Einrichtung ist, fließt vom
Gesundheitsministerium fast kein Geld und wenn dann oft in die falsche
Richtung...
Alles
wurde und wird mit Spenden aus dem Ausland finanziert.
Das
muss nicht so sein, wie Wolfgang und Clothilde bei einem Besuch des
Kinderheimes der Eisenbahngesellschaft gesehen haben. Die Bahn hat viel Geld
und das Heim ist tip-top und auf dem neuesten Stand. Geld wäre also da, es ist
nur ungerecht verteilt.
Wie
zum Hohn steht keine 100 m neben dem Klinikkomplex eine neue Sportklinik,
gebaut für 4,1 Mio. Rubel und die wurde vom Gesundheitsministerium finanziert!
Das muß man sich mal vorstellen!
Vladimir
schämt sich dafür, dass sie auf Spenden aus dem Ausland angewiesen sind und er
immer wieder um Unterstützung bitten muss. Ohne diese Spenden allerdings würden
die Kinder noch immer in katastrophalen Zuständen leben müssen...
Bevor wir
dann zum Abschluss noch zum Mittagessen eingeladen werden, verteilt Wolfgang
ein paar Spielsachen und wir drehen mit den Kindern ein paar Runden auf unseren
Motorrädern. Immer mit drei Kids vollgeladen knattern wir über den Hof. Den
Kindern machts einen riesen Spaß.
Beeindruckt
von der engagierten Arbeit der Mitarbeiter und dem eisernen Willen Vladimirs,
die Situation für die Kinder weiter zu verbessern, verabschieden wir uns. Wir
haben beschlossen, die lobenswerte Arbeit von Wolfgang und seiner
"DeSiGn" nach unseren Möglichkeiten zu unterstützen.
Wer
ebenfalls Interesse an einer Unterstützung für die Kinder in Burjatien hat,
darf sich gerne bei uns melden, oder über die Webseite der
DeSiGn direkt Kontakt mit Wolfgang aufnehmen - es lohnt sich, denn die
gespendeten Gelder werden ohne Ausgaben für Verwaltung direkt in Hilfe
umgesetzt. Sogar die Reisekosten bezahlt Wolfgang aus eigener Tasche.
Alexandra und Carsten aus Ulan-Ude